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Vor 20 Jahren - Als aus Otto-Grotewohl-Stadion das Erzgebirgsstadion wurde

Am Tag nach dem letzten Heimspiel des FC Erzgebdirge Aue gegen den MSV Duisburg wurde auf dem Tag genau vor 20 Jahren das traditionsreiche „Otto-Grotewohl-Stadion“ Aue in „Erzgebirgsstadion“ umbenannt. Über 41 Jahre lang hieß es nach dem früheren DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl, der es persönlich am 20. August 1950 eröffnet hatte.

Das Stadion Anfang Juni 1991 als es noch Otto-Grotewohl-Stadion hieß. Die Tartanbahn wurde erst im folgenden Jahr eingebaut. Foto: Luftbildservice Büschel

Es erlebte in seiner Geschichte viele Höhepunkte, ob Europapokal, zwei Ankünfte der Friedensfahrer, Länderspiele oder die unvergessene Flutlichtweihe im Oktober 1989. Anläßlich der Stadion-Namensweihe am 26. November 1991, an einem Dienstagabend, wurde vom damaligen Auer Landrat Heinz-Günter Kraus am Haupteingang eine Tafel mit dem neuen Namen „Erzgebirgsstadion“ enthüllt.


In den vier Jahrzehnten zuvor war es stehts Eigentum der einstigen SDAG Wismut. Ende Oktober 1991 wurden die Besitzverhältnisse durch die damalige Treiuhand endgültig geklärt und das Grundbuch verzeichnete den Landkreis als Eigentümer des Erzgebirgsstadions. Verwaltungsrechtlich war das Stadion bereits am 1. Juli 1991 durch den Zweckverband Erzgebirgsstadion übernommen worden, dem der Landkreis sowie die Städte Aue und Lößnitz angehörten. Unter dessen Regentschaft wurden die bis dahin unterbrochenen gewesenen Rekonstruktionsarbeiten am und im Stadion fortgesetzt. Diese liefen immerhin schon seit 1986. Die Arbeiten wurden dann rund 10 Monate nach der Stadion-Namensweihe am 19. September 1992 feierlich vollendet.

Alte Eingang zu DDR-Zeiten. Foto: Wagner (um 1981)

Mit dem 1. FC Nürnberg hatte sich der FC Wismut Aue einen Gegner der besten Garde des damaligen deutschen Fußballs eingeladen. Die Franken nahmen zur Bundesligahalbzeit 1991/92 Platz fünf mit 29-24 Toren und 21-17 Punkten ein. Die Nürnberger, immerhin neunfacher deutscher Meister, die am Spieltag zuvor den SV Werder Bremen 1-0 geschlagen hatten, waren in dieser Zeit in aller Munde und mit Auswahlkeeper Andreas Köpke wieder auf dem Vormarsch in der 1. Bundesliga. Mit allen Stars wollte man im Auer Stadion auflaufen, so mit Mark Oechler, Dieter Eckstein, Andreas Köpke, Sergio Zarate, André Golke und nicht zuletzt dem Schützen des Goldenen Tores gegen Bremen, Uwe Weidemann. 4.200 Zuschauer waren darum erwartungsfroh ins Erzgebirgsstadion gekommen.

Die alte Schrifttafel hing seit 1991 am Haupteingang. Foto: Burg (26.12.2010)

Was sie jedoch von den Franken sahen, war nur die zweite oder dritte Garnitur. Selbst der zweite Anzug der Franken bot an jenem Abend eine enttäuschende spielerische Vorstellung, die dieser freudige Anlass eigentlich nicht verdiente. So gab es überwiegend Pfiffe für die Gäste.

Amateuroberligist FC Wismut Aue gewann am Ende völlig verdient mit 3-0. Die Tore besorgten Reichel per Elfmeter (40.), Stohn (58.) und Kirsten (60.). Ein Ergebnis, das von den Auer Zuschauern mit starken Beifall bedacht wurde, den Nürnbergern jedoch viele Symphatien im Erzgebirge verdarb. Den Ehrenanstoß für diese Begegnung vollzog Siegfried Wolf aus der erfolgreichen Auer Wismut-Mannschaft der fünftiger Jahre.

Programm Cover vom Spiel zur Stadionweihe 26.11.1991

Dem FC Wismut gebührte an diesem Abend Anerkennung. Die Mannschaft die zuletzt beim Puktspiel in Suhl beim 0-0 alles andere als überzeugte, nutzte dieses Spiel um sich vor vor ihren Fans wieder zu rehabilitieren. Dies gelang voll und ganz. Insbesondere die Tore zwei und drei waren allein das Kommen wert.

Das Kommen wert war in den letzten 20 Jahren auch immer das Stadion selbst. Nach der Wende zogen erst einmal andere Veranstaltungen die Massen ins Stadion, wie etwa das Herbert Grönemeyer Konzert im Mai 1991 und ein Auftritt der Kelly-Family im Juni 1995. Aber auch die Zeugen Jehovas bevölkerten mehrmals (5x) bei diversen Kongressem die Auer Arena. Für den DFB-Ligapokal bekam das Stadion gleich viermal (1997, 1998, 1999 und 2002) den Zuschlag. Sportlich gab es Aufstiege zu feiern, wurden Endspiele im Sachsenpokal ausgetragen, schauten diverse Nachwuchs Teams des DFB zu Länderspielen vorbei.

Das Stadion erhielt am 16.März 2011 einen neuen Namen: Sparkassen Erzgebirgsstadion. Am 1. Dezember 2011 wurde ein neuer Schriftzug direkt über dem "Wall of Fans" angebracht. Foto: Burg (10.06.2011)

Die Bayern waren da, wie auch die Kölner, die Schalker, die Bremer um nur einige zu nennen. Baulich gab und gibt es im Stadion immer viel zu tun. Eines ist gewiss: die Zeit bleibt auch in den nächsten Jahren, im nun seit 16. März 2011 heißenden „Sparkassen-Erzgebirgsstadion“ nicht stehen. (Burg)

Nach Umbenennung in Sparkassen-Erzgebirgsstadion findert man den neuen Namen innerhalb des Stadions an der Gegengerade und Haupttribüne. Foto: Burg (Aue vs. Hansa 1-0, 30.09.2010)
Geschrieben von Burg am 01.12.2011, 07:53   (2827x gelesen)