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Janz weit draußen: FC Erzgebirge Aue erhält den JWD-Fan-Pokal

JWD. Uff Berlinerisch: Jaaaaanz weit draußen. Quasi, alles was vor den Toren der deutschen Hauptstadt liegt, ist aus der Sicht eines Berliners echt „JWD“. In der Region Nordost so richtig JWD ist das Städtchen Aue mit seinem sportlichen Aushängeschild FC Erzgebirge. Mit der Bahn zu einem Auswärtsspiel in Aue anzureisen gleicht einer Weltreise.

Aue vs. Union 1-1, aus der letzten Saison. Blick auf den Gästeblock. Foto: Burg

Besser gesagt: An einem Abendspiel ist dies so gut wie unmöglich. Auch die Fans des 1. FC Union Berlin können von dieser Tour ein Liedchen singen. Trotz der nicht gerade erquickenden infrastrukturellen Lage (auch die dortige Parkplatzsituation erscheint ein wenig abenteuerlich) ergibt sich aus Sicht der Union-Fans in Aue ein durchaus positives Bild.


Schließlich kann der FC Erzgebirge Aue nichts dafür, dass der Bahnanschluss überaus gruselig ist und die Parkplätze im Lößnitztal nicht auf dem Stand eines Bundesligisten sind. Fakt ist, dass sich der FC Erzgebirge in der vergangenen Saison als überaus fanfreundlicher Gastgeber ausgezeichnet hat. Und aus diesem Grund erhalten die Erzgebirgler vom Eisernen V.I.R.U.S. e.V., der Supporterorganisation des 1. FC Union Berlin, den JWD-Gastgeberpokal. Dieser wird nun mehr zum vierten Mal vergeben. Nach dem SV Sandhausen, dem 1. FC Kaiserslautern und dem FC Augsburg wird nun mit dem FC Erzgebirge Aue zum ersten Mal ein Verein der Region Nordost die Ehre zuteil.

Als Fan des 1. FC Union Berlin durch die Lande zu ziehen, ist häufig nicht leicht. Ganz besonders im Osten Deutschlands haben die Unioner häufig mit überzogenen oder gar in entwürdigender Weise durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen zu tun, teilt V.I.R.U.S. mit. Grund sei hierbei die Einstufung der Begegnungen als sogenannte Hochsicherheitsspiele. Umso erfreulicher sei das positive Beispiel des FC Erzgebirge Aue, dessen gastfreundliches Verhalten von den Fans wahrgenommen und gewürdigt wird und somit auch zu einem anständigen Auftritt der Auswärtsfahrer beiträgt. In Aue zeigen sich die Gastgeber bemüht, den anreisenden Fans angenehme Bedingungen im Stadion zu bieten und ihnen auch die Mitnahme von Supportutensilien zu gestatten. Zudem seien die Verhältnismäßigkeit der Einlasskontrollen und die freundliche Begrüßung im Stadionheft und durch den Stadionsprecher ausschlaggebend für die Entscheidung, den FC Erzgebirge mit dem JWD-Pokal auszuzeichnen.

1-1 trennten sich Aue und Union beim letzten Aufeinandertreffen in Aue im Oktober 2011. Foto: Burg


In der Tat haben laut V.I.R.U.S. die zunehmend entspannten Rahmenbedingungen bei den Spielen in Aue im Laufe der Jahre dazu geführt, dass sich die beiden Fanszenen spürbar friedlicher begegnen. Angesichts der aktuellen stark angeheizten Diskussion über die Zukunft des deutschen Profifußballs soll die Pokalvergabe auch als ein deutliches und positives Signal an den DFB, die DFL und die Innenpolitik sowie die Medien gewertet werden. Ein guter Gastgeber zu sein, bedeute, all diejenigen zu stärken, die nicht etwa aggressive Auseinandersetzungen suchen, sondern denen es sportlich fair darum geht, wer auf dem Rasen das bessere Spiel macht – und wer auf den Rängen den besseren Support liefert, erklärten die Fanvertreter des V.I.R.U.S.

Nach Ansicht der Fanvertreter des V.I.R.U.S. sei dies ein erheblich besserer Weg zu erfolgreicher und nachhaltiger Gewaltprävention als zunehmend rigidere Einschränkungen. Am morgigen Mittwoch werden Vertreter des Eisernen V.I.R.U.S. im Rahmen der Bundesligabegegnung des FC Erzgebirge mit dem 1. FC Union den diesjährigen JWD-Pokal vor den Zuschauern im Stadion an den Gastgeberverein überreichen. Dass man nach der um 17:30 Uhr angepfiffenen Partie nicht mehr mit der Bahn zurück nach Berlin kommt, nimmt der Union-Anhang inzwischen mit einem Schmunzeln hin. Wie eingangs erwähnt, dafür kann der FC Erzgebirge herzlich wenig. Bei diesem Auswärtsspiel muss es halt allein mit Bussen und Autos auf dem Straßenweg funktionieren. Das Gute daran: Der martialische Auftritt der Polizei am Bahnhof Aue und die permanente Begleitung von Seiten der Behelmten bleibt den Union-Fans auf diesem Wege erspart. Und das ist gut so!

Quelle: www.turus.net
Geschrieben von Burg am 25.09.2012, 12:13   (607x gelesen)