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Aue Historisch vor 20 Jahren – Jeden Monat auf nach Berlin


Zum Rückauftakt am 5. Februar 1995 ging es zu den Reinickendorfer Füchsen. Eins von damals insgesamt gleich acht Spielen in Berlin. Es war damals in der Saison 1994/95 mit rund 340 Kilometern zugleich die weiteste Auswärtsfahrt. Cover: Archiv block-a.de
Vor 20 Jahren spielten die Auer Veilchen in der Regionalliga Nordost. 1994 wurde die Regionalliga vom DFB als höchste Amateurliga zwischen 2. Bundesliga und Oberliga und somit als dritthöchste Spielklasse neu installiert. Zunächst waren drei Staffeln (Süd, West/Südwest, Nord/Nordost) geplant, jedoch protestierten die Vereine aus dem Norden und Nordosten, da ihre Staffel flächenmäßig fast die Hälfte des deutschen Bundesgebietes abgedeckt hätte. Der DFB gab ihrem Einspruch recht und etablierte daher jeweils eine eigene Staffel für den Norden und den Nordosten.
Freute man sich im Auer Fanlager wieder über Duelle gegen die alten Teams aus DDR-Oberligazeiten wie Carl-Zeiss Jena (Absteiger aus der 2. Liga), BSV Brandenburg (ehemals Stahl), Energie Cottbus oder dem FC Berlin (ehemals BFC), so war die Tatsache, das es insgesamt zu acht (8) Auswärtsspielen nach Berlin gehen mußte, schon eher ein Novum. Dieser Rekord war und ist einmalig in der Auer Historie und wird sich mit Sicherheit nicht mehr wiederholen.

Was heute ungläubiges Kopfschütteln verursacht, war in der Saison 1994/95 der Regionaliga-Nordost Realität. Von den 17 Auswärtsspielen in der Saison, mußten 8 Spiele in der deutschen Hauptstadt ausgetragen werden. Mit Hertha Zehlendorf, Tennis Borussia, Reinickendorfer Füchse und dem Spandauer SV, Vier im Westteil von Berlin. Die anderen Vier Spiele fanden im Ostteil statt. Neben den noch aus alten DDR-Oberligazeiten bekannten 1.FC Union Berlin und dem Ex-BFC dem FC Berlin, teilten sich die Amateure von Hertha BSC und Türkiyemspor Berlin den Jahnsportpark damals, der ja bekanntlich im Ostteil der Stadt direkt an der ehemailgen Mauer liegt. Schon am 3. Spieltag ging es im August 1994 in den Süd-Berliner Stadtteil Zehlendorf zur kleinen Hertha. Im idylischen Ernst-Reuter Stadion ließen Jörg Palke (76.) und der Nordire Danny Sonner (82.) die ca. 400 mitgereisten Auer Schlachtenbummler grenzenlos jubeln. Mit 2-0 triumphierte man fast sensationell beim Spitzenreiter und das in Unterzahl seit der 40. Minute. Bis zur Winterpause folgten pro Monat ein weiteres Gastspiel in Berlin.

Im September, bei den Amateuren von Hertha BSC, kassierte man mit einem 1-2 die Erste Saisonniederlage am 6. Spieltag. Eine Niederlage die man sich aber selbst zuschreiben mußte, weil man im Jahnsportpark klarste Chancen vergab. Für die mit mehren Bussen und in einer endlosen Autoschlange angereisten fast 400 Auer Schlachtenbummler gab es nach Abpfiff des Spiels ein böses Nachspiel. Als sie am Zaun den Dank der Spieler entgegennehmen wollten, ging die Berliner Polizei grundlos dazwischen. Die Fans wurden zurückgezerrt und teilweise zusammengeknüppelt! Ein Fan erlitt ein Nasenbeinbruch, ein weitere mußte in die Charitie eingeliefert werden. „Eine völlig überzogene Aktion“, war Aues Trainer Lutzt Lindemann natürlich aufgebracht. „Wir sind stolz über unsere Fangemeinde. Zu jeden Auswärtsspiel begeleiten sie uns“.

Blick in den fast leeren und trostlosen Berliner Jahnsportpark am 6. November 1994. Türkiyemspor und Aue trennen sich 0-0 vor 350 Zuschauern. Foto: Burg


Im Oktober gab es ein Wiedersehen nach Sechs Jahren „An der Alten Försterei“ beim 1.FC Union. Die 0-3 Niederlage aus Veilchensicht täuschte, weil man bis zehn Minuten vor dem Ende den Ausgleichstreffer auf dem Fuß hatte und dann noch klassich mit zwei Bilderbuch Kontertoren von den Eisernern in die Schranken gewiesen wurde. Erwähnenswert noch die Erste Rote Karte in seiner Karriere für Aues Urgestein Jörg „Flocke“ Weißflog nach einer halben Stunde.

Eine Woche später, Anfang November, ging es wieder nach Berlin. Wieder ins Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark. Nur 350 Zuschauer verliefen sich im weiten Rund und sahen ein trostloses wie mageres torloses Unentschieden gegen Türkiyemspor. Der bekannteste Migrantenverein der Bundesrepublik wurde aufgrund seines sportlichen Erfolgs Aushängeschild der türkischen Gemeinschaft Berlins und des multikulturellen Ortsteils Kreuzberg. Da ihr eigentliches Katzbachstadion in Berlin-Kreuzberg für die RL-Nordost nicht zugelassen war, wich man in den Jahnsportpark aus. Aus Auer Sicht ist der Jahnsportpark historisch ein dunkles Kapitel. Beim vorletzten Gastspiel hier, im Mai 1990, stieg man hier trotz eines 4-1 Sieges gegen den FC Berlin nach 39-jähriger ununterbrochener Zugehörigkeit zur DDR-Oberliga erstmalig ab.

Auch im letzten Punktspiel des Jahres 1994 blieben die Auer in Berlin zum dritten Mal in Folge Torlos in der Hauptstadt. Im Mommsenstadion bei Tennis Borussia, in der Nähe von AVUS und Funkturm, kassierte man eine knappe 0-1 Niederlage. Spielerisch waren die Platzbesitzer den Auern nicht überlegen. Die Veilchen aus dem Erzgebirge scheiterten eher am eigenen Unvermögen. Trotzdem fuhr man nicht mit leeren Händen zurück. Am Rande des Spiels einigten sich beide Vereine über die Rückkehr von Manndecker Jan Schmidt. Ihn zog es im Sommer zu Tennis Borussia, wurde dort aber in dem halben Jahr nie richtig warm.


Im März 1995 war man zu Gast im Stadion an der Neuendorfer Strasse. Der alte SSV-Vereinsplatz musste dem Wohnungsbau weichen und wurde im letzten Jahrhundert abgerissen. Auf dem Foto zu sehen Moudachiro Amadou beim warmlaufen vor dem Spiel. Amadou bestritt zusammen mit Jens Haustein alle 34 Punktspiele der Saison 1994/95. Foto: Burg
In der Rückrunde, wurde in den drei restlichen Berlin-Spielen mehr Punkte geholt, als 1994 in Fünf Duellen vorher. Zum Rückrundenstart gab es zwar nur ein 0-0 bei den Reinickendorfer Füchsen. Die Fahrt, an den nordwestlichen Rand von Berlin, war zugleich die längste Auswärtsfahrt (rund 340 Kilometer) der Saison. Bemerkenswerter war aber die Tatsache, das die Spieler vom FC Erzgebirge Aue einen Tag zuvor noch bei einem Blitzturnier im heimischen Stadion gegen Werder Bremen und dem 1.FC Kaiserslautern am Ball waren. Wer gedacht hätte, daß die Spieler durch das Turnier viel Kraft gelassen hätten, sah sich im „Stadion am Freiheitsweg“ eines besseren belehrt. Die Auer wirkten topfit und erkämpften sich mit einer Riesenmoral ein hochverdientes Unentschieden. Eine Stunde lang mußte man mit einem Spieler weniger auskommen, weil Danilo Kunze für ein blödes Foul an der Mittellinie Rot sah. Im Zweiten Durchgang wurde leidenschaftlich um den Punkt gekämpft, in einem Stadion das optisch überhaupt nichts hergab. Ein dicker, massiver Eisenzaun direkt am Spielfeldrand ließ ein freies, ungehindertes Hindurchschauen nicht zu. Die Spieler mußten weit vor der Seitenauslinie abbremsen, um nicht gegen diese Abgrenzung zu laufen. Nervend auch der pausenlose Fluglärm vom nahen Flughafen Berlin-Tegel. Insgesamt war man dort, noch bis einschließlich 1997/98, viermal zu Gast.

Im März 1995 feierte der mitgreiste Anhang endlich wieder einmal einen Sieg in Berlin. Mit 3-1 Toren behielt man gegen den Spandauer SV im „Stadion an der Neuendorfer Strasse“ direkt an der Havel die Oberhand. Mit einer deutlichen Steigerung vor allem im zweiten Durchgang, bejubelten die 150 mitgereisten Fans einem am Ende verdienten Sieg. Damit beendete man eine fast fünfmonatige Serie von sieglosen Auswärtsspielen. Bendet ist auch die Geschichte vom Spandauer SV. Ende November 2014 zog der Vorstand des Spandauer SV seine Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. 120 Jahre nach seiner Gründung ist der Spandauer SV nur noch Geschichte, ohne Gegenwart und wahrscheinlich auch ohne Zukunft. Dabei schrieb der Spandauer SV Zweitliga-Geschichte. Mit 8-68 Punkte, bei nur zwei Siegen und 115 Gegentoren aus der Saison 1975/76 ist der SSV zwar nicht ganz das schlechteste Zweitligateam aller Zeiten, stand aber vom 1. bis 38. Spieltag auf dem letzten Platz der Tabelle.

Einen Monat später im April gab es im Berliner Sportforum in Hohenschönhausen bei Sturmböen und Schneeschauern das Achte Auswärtsspiel auf Berliner Boden in der Saison 1994/95. Ein 0-0, das laut Aues Trainer Lutz Lindemann in Ordnung ging, aber bei den Auern Erinnerungen wach hielten, aufgrund der Schiedsrichter Leistungen, an tiefste BFC Dynamo-Zeiten. Höhepunkt war die 27. Spielminute. Gegen den mit geballten Ellenbogen heranstürzenden Berliner Franke spitzelte Aues Libero Maik Faßl den Ball weg. Als der Hauptstädter dies bemerkte, ließ er sich einfach fallen und Schiedsrichter Michael Wendorf zeigte, anstatt Freistoß für die Gäste zu geben, einfach auf den Punkt. Lange auf der Torlinie abwartend parierte Aues Torwart Jörg Weißflog den Elfer.

Die Berlin-Bilanz 1994/95: 2 Siege/3 Remis/3 Niederlagen bei 6-7 Tore. Auch in den kommenden Drei Regionalliga Nordost Spielzeiten (1995/96-7x | 1996/97-7x | 1997/98-6x) waren Punktspiele in Berlin die Norm. Erst 1998/99 und 1999/00 – mit nur noch je 4 Fahrten – wurden sie weniger. (Burg)

Berliner Punktspiele Saison 1994/95 (aus Auer Sicht)
21.08. - Hertha 03 Zehlendorf …....2-0 (Zusch. 910)
04.09. - Herha BSC/Amat............... 0-1 (Zusch. 777)
29.10. - 1. FC Union Berlin............ 0-3 (Zusch. 2.700)
06.11. - Türkiyemspor Berlin......... 0-0 (Zusch. 350)
10.12. - Tennis Borussia..................0-1 (Zusch. 563)
05.02. - Reinickendorfer Füchse..... 0-0 (Zusch. 700)
12.03. - Spandauer SV.....................3-1 (Zusch. 245)
08.04. - FC Berlin............................0-0 (Zusch. 421)
Geschrieben von Burg am 23.02.2015, 12:10   (997x gelesen)