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Vor 40 Jahren - FDGB-Pokal Halbfinale gegen Sachsenring 1974/75


Mit diesen verwandelten Foulelfmeter von Heinz Dietzsch, kurz vor dem Pausenpfiff, entschied Sachsenring das Halbfinal-Hinspiel am 15. März 1975 mit 1-0 für sich. Foto: Kruczynski
Im März jährt sich zum vierzigsten Mal ein Ereignis im Fußball was viele Auer Fans bis heute nicht vergessen haben. Es ging um den FDGB-Pokal im Jahre 1975. Dieser war in der DDR der damalige nationale Pokalwettbewerb im Fußball. Er feierte 1949 seine Premiere und wurde von der Einheitsgewerkschaft Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) als Wanderpokal ausgeschrieben. Nach der Wiedervereinigung wurde die letzte Auflage im Jahre 1991 unter der Bezeichnung NOFV-Pokal durchgeführt. In der Saison 1974/75 kam es zur 24. Auflage. Es nahmen 89 Mannschaften teil. Nach einer Qualifikationsrunde, in der sechs DDR-Ligisten (zweithöchste Fußballklasse) gegeneinander antraten, wurde die erste Hauptrunde mit 55 Teams der DDR-Liga aus der Saison 1973/74, den beiden Absteigern aus der Oberliga (höchste Fußballklasse) und den 15 Bezirkspokalsiegern von 1973/74 durchgeführt.

Wismut Aue stieg in der II. Hauptrunde Anfang Oktober 1974 in den Pokal Wettbewerb mit ein. Mit 3-1 behielt man beim Zweitligisten aus der Liga Staffel C, Chemie Böhlen, mit 3-1 vor nur 750 Zuschauern die Oberhand und stand im Achtelfinale. Nach Rückstand sicherten die Tore von Lothar Schmiedel, Wolfgang Körner und Jürgen Escher das weiterkommen. Wie in den beiden Jahren zuvor, wurden die Spiele vom Achtel- bis zum Halbfinale wieder Hin- und Rückspiele ausgetragen. Bereits vor dem Achtelfinale waren alle Bezirkspokalsieger ausgeschieden, mit dem 1. FC Union Berlin und Motor Nordhausen hatten nur noch zwei DDR-Ligisten die Runde der letzten 16 erreicht. Für beide war dann aber auch im Achtelfinale Schluß. In diesen Achtelfinale, das an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden (Samstag) ausgetragen wurde, kam es zum Duelle gegen den HFC Chemie. Der Aufsteiger war gut in die Oberliga gestartet und stand zu diesen Zeitpunkt auf einem dritten Tabellenplatz. Wismut legte im Hinspiel aber durch Tore von Holger Erler, Alons Babik, Ernst Einsiedel und Jürgen Escher ein sehr gutes Polster. Denn im Rückspiel wurde es noch einmal eng. Bis zur 60. Minute kam Halle mit drei erzielten Toren bis auf ein Tor wieder ran, ehe Thomas Teubner mit seinem Tor, zwei Minuten vor dem Ende, den Einzug ins Viertelfinale perfekt machte. Dort wartete der FC Hansa Rostock, zu

Fuwo November 1974. Im Achtelfinal-Rückspiel in Halle wurde es noch einmal eng für Wismut. Quelle: Archiv Peppi
diesen Zeitpunkt Tabellenletzter in der Oberliga nach absolvierten 10 Spieltagen. Das Hinspiel in Aue konnte durch Tore von Alfons Babik und Holger Erler (Foulelfmeter) mit 2-0 gewonnen werden. Zum Rückspiel an einem Mittwoch, Mitte Dezember 1974, kamen nur 2.000 ins Ostseestadion. Trennte man sich drei Tage zuvor in der Meisterschaft in Aue noch 1-1, so gewann Wismut das Pokal Rückspiel mit 2-1. Nach Rückstand von Nationalspieler Gerd Kische, besorgten Jürgen Escher und Ernst Einsiedel mit ihren beiden Toren den Halbfinal Einzug.

Für Wismut Aue war es nach 1955, 1956, 1959 und 1965 immerhin das fünfte Mal in der man in der Vorschlußrunde stand. Dort wartete der langjährliche Rivale Sachsenring Zwickau. Im anderen Halbfinale standen sich die beiden Vorjahresfinalisten Carl-Zeiss Jena und Dynamo Dresden gegenüber. Der Weg von Zwickau in das Halbfinale war über die Stationen Rotation 1950 Leipzig (4-2), BFC Dynamo (3-2 + 4-2) sowie Vorwärts Stralsund (1-1 + 4-2) noch niederlagenfrei. Beide Spiele, das Hin- und Rückspiel, gingen wieder, wie im Achtelfinale, an zwei aufeinanderfolgenden Samstagen im März 1975 über die Bühne.

Halbfinal-Hinspiel am 15. März 1975 in Zwickau. Aues Hans-Jürgen Thomas überläuft dem am Boden liegenden Zwickauer Joachim Schykowski. Foto: Kruczynski


Das Hinspiel im Zwickauer Georgi-Dimitroff Stadion gewann der zweimalige Pokalsieger (1963 + 1967) Sachsenring knapp mit 1-0. Das Tor des Tages fiel durch einen, von Aues Dieter Schüßler an Blank verschuldeten Foulelfmeter, den Dietzsch Sekunden vor dem Pausenpfiff verwandelte. Die starke Drangperiode der Gastgeber (8-1 Ecken zur Pause) überstand die erfahrende Wismutabwehr mit den Routiniers Ernst Einsiedel, Dietmar Pohl und Lothar Schmiedel gut. Insgesamt war es eine spannende und abwechslungsreiche Partie. Obwohl der tiefe Boden von den Aktiven viel Kraft abverlangte. Wer annahm, die 0-5 Niederlage eine Woche in der Meisterschaft zuvor bei Dynamo Dresden würde das Selbstvertrauen der Wismut Elf belasten sah sich getäuscht. Mit stoischer Gelssenheit verschleppten Pohl, Babik, Schmiedel und Schüßler das Tempo. Nach sechszig Minuten Dominanz von Sachsenring, konnte Wismut die Feldspielvorteile des Gegners ausgleichen. Torwart Uli Ebert erhielt seiner Mannschaft mit vier, fünf großartigen Paraden alle Möglichkeiten für das Rückspiel in Aue. Dies sah auch Wismut Trainer Binges Müller so: „Das 0-1 läßt alle Chancen für das Rückspiel offen“. Kapitän und Libero Dietmar Pohl hoffte natürlich auch auf die grosse Endspielchance: „Unser Ziel, eine gute Ausgangssituation für das Rücksiel zu erreichen,

Fuwo März 1975. Aus Sicht der beiden Halbfinalisten nach dem Hinspiel. Quelle: Archiv Schwarzer
haben wir geschafft. In Aue, darauf brennen wir, wollen wir die 90 Minuten nach unseren Erfolgsvorstellungen liefern“. Etwas enttäuschend für ein Westsachsen-Derby war die Zuschauerzahl in Zwickau. Nur 9.000 kamen zu diesen Halbfinalhinspiel. Schaut man aber mal genauer in die Zuschauerstatistik der Oberliga, so hatte Sachsenring mit nur 6.970 den drittschlechtesten Heimdurchschnitt aller 14 Vereine. (Burg)


Statistik vom Hinspiel am 15. März 1975. Quelle: Fuwo-Archiv Schwarzer
Geschrieben von Burg am 09.03.2015, 12:38   (1291x gelesen)