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Zum 84. Mal Derbyzeit

Morgen am Sonntag, 24. April ist es wieder soweit – es ist Derbyzeit. Das alte „Karl-Marx-Städter Bezirksderby“ gegen den Erzrivalen von der Fischwerwiese steht im Auer Lößnitztal an. Diesmal ist es ein richtiges Derby, weil es ein

Derby in Aue. Am 17. März 1984 gewannen die Veilchen vor 18.000 Zuschauern mit 2-0 gegen den FCK. Foto: Kruczynski
klassisches ist. Die Fankultur basiert im wesentlichen auf Erinnerung an Triumphe und Schmerzen. Und diese Rivalität vertieft sich mit der Häufigkeit des Aufeinandertreffens. Das ist in diesen Derby absolut der Fall. Mehr als dreizehn Jahre lang war das Derby in Aue so zusagen auf Eis gelegt. Am 12. April 2003 schoss der FC Erzgebirge Aue unter seinen damaligen Trainer Gerd Schädlich den in rote Trikots gekleideten Club im Lößnitztal vor knapp 10.000 Zuschauern mit 3-0 aus dem Stadion. Zwei Treffer erzielte Ronny Jank, eins kam von Nikolce Noveski. Diese lange Punktspielpause wurde nur einmal durch das Sachsenpokal-Finale im Mai 2010 unterbrochen. Viertligist CFC gewann als Gastgeber gegen den damals schon aufgestiegenden Zweitligisten FC Erzgebirge mit 3-2.

Gegeneinander haben sich die beiden Rivalen schon 83-mal in Pflichtspielen duelliert. Mit 33 zu 28 Siegen haben die Himmelblauen die Nase vorn. Alle Spiele gegeneinander Das erste Spiel fand in der DS-Liga Staffel Süd am 24. September 1950 in Aue statt. Vor 4.000 Zuschauern gewann Zentra Wismut Aue mit 1-0 gegen die BSG Fewa Chemnitz.

Torschütze war Karl Wolf in der 4. Minute. Die DS-Liga wurde im Sommer 1950 als zweitklassiger Unterbau zur Oberliga eingeführt. Die Klasse bestand aus zwei Staffel (Nord und Süd) zu je 10 Vereinen. Im Rückspiel am 14. Januar 1951 trennten sich beide vor 15.000 Zuschauern im Dr. Kurt Fischer Stadion 2-2. Aue wurde in der Südstaffel Erster und stieg in die Oberliga auf. Fewa Chemnitz belegte den sechsten Platz, hatte aber mit 10.300 Zuschauer im Schnitt mit Abstand die beste Resonanz zu Heimspielen in beiden Staffeln. Die nächsten Spiele gab es erst wieder drei Jahre später. Unter den neuen Namen BSG Chemie Karl-Marx-Stadt (ab 1951) schafften die Bezirksstädter 1954 den Aufstieg in die DDR-Oberliga. Noch vor dem Meisterschaftsstart 1954/55 gewann Aue im August 1954 mit einem 3-0 bei Chemie Karl-Marx-Stadt in der 1. Runde im FDGB-Pokal. In der Meisterschaft gab es einen Monat vor Aues Zwangsumbenennung in SC Wismut Karl-Marx-Stadt ein 1-1 Unentschieden vor 22.000 Zuschauern auf der Fischerwiese. Das Rückspiel gewann der SC Wismut mit 2-0 vor 17.000 Zuschauern in Aue. Ein Jahr später wurde die BSG Chemie Karl-Marx-Stadt, kurz vor Saisonbeginn 1956, an den neuen SC Motor Karl-Marx-Stadt angeschlossen. Eine weitere Saison später (1957) stieg der SC Motor als Tabellenletzter und nur Drei Siegen aus der Oberliga ab. In diesen Zwei Oberliga-Serien behielten die Fußballer vom SC Wismut in allen vier Punktspielen und ohne Gegentor jeweils siegreich die Überhand.

Erst im 13. Aufeinandertreffen gab es für die Auer die erste Derby-Niederlage. Im Oktober 1963 gewann der Club, just in SC Karl-Marx-Stadt umbenannt, zum allerersten Mal gegen die wieder unter ihren alten Namen Wismut Aue spielenden Kumpel. Mit 2-1 feierte der SCK im Heimspiel vor 17.000 Zuschauern seinen ersten Derbysieg über Aue. Neun Jahre lang, von 1954 bis 1963, trug der SC Wismut Karl-Marx-Stadt trotz Zwangsumbenennung in Karl-Marx-Stadt seine Heimspiele im Otto-Grotewohl-Stadion aus. Aue dominierte als SC Wismut in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre den DDR-Fußball und wurde 1956, 1957 und 1959 Meister, während in der Bezirkshauptstadt die BSG Chemie Karl-Marx-Stadt (ab 1956 SC Motor Karl-Marx-Stadt) eher bescheidene Fußballkost mal in der Oberliga, mal in der Liga bot. Bei einer Umstrukturierung des Sportclubsystems Anfang der 1960er Jahre wurde beschlossen, ein Club pro Bezirk genüge. Zum neuen Leistungszentrum wurde der SC Motor bestimmt, der sich ab Juli 1963 in SC Karl-Marx-Stadt umbenannte. So erfolgte 1963 die Auflösung des SC Wismut Karl-Marx-Stadt. Die Meldung, dass der SC Motor bevorzugtes Leistungszentrum im Bezirk Karl-Marx-Stadt wird, schlug in Aue wie eine Bombe ein. Der wieder aufgestiegene SC Motor hatte sich in der Oberliga 1962/63 erst am letzten Spieltag in Dresden bei Dynamo mit einem Unentscheiden vorm Abstieg gerettet. Junge, talentierte Wismut-Spieler und Stützen wie Dieter Erler, Manfred Kaiser sowie Bringfried Müller sollten zum neuen Fußballschwerpunkt nach Karl-Marx-Stadt wechseln. Nur Dieter Erler, Albrecht Müller und Torwarttalent Manfred Hambeck folgten dem Angebot. Manfred Kaiser wurde bekniet, sträubte sich aber mit Händen und Füßen. Auch die Drohung, ihn aus der Nationalmannschaft zu werfen, half nicht. Er blieb in Aue! Spätestens ab diesen Zeitpunkt, mit diesen Hintergrund, wurde es ein richtiges Derby.

Die Ergebnisse in den Jahren 1963 bis 1970 waren bis auf eine Ausnahme (Sept. 1967) immer knapp. Zwischenzeitlich gab es zur Jahreswende 1965/66 die Gründung von elf Fußballclubs die aus den früher gebildeten Sportclubs in eine gewisse Eigenständigkeit gehoben wurden. Aus dem SCK wurde im Januar 1966 der FCK. Überraschenderweise erkämpfte der FC Karl-Marx-Stadt 1967 seinen einzigen Meistertitel. Ein Jahr danach mussten mit Wilfried Göcke und Karl-Heinz Zeidler erneut zwei wichtige Leistungsträger von Aue den FCK verstärken. Beide Spieler waren sofort im Stammaufgebot des FCK 1967/68. Die Auer Fans befürchten schlimmes, denn Wismut wurde als Abstiegskandidat Nr. 1 gehandelt. Eine Saison später stiegen die Himmelblauen zum zweiten Mal aus der Oberliga ab. Am letzten Spieltag wurde das anstehende Derby wegen einer Platzsperre der Karl-Marx-Städter im Halleschen Kurt-Wabbel-Stadion ausgetragen. Aue gewann vor 5.000 Zuschauern mit 2-1 und verabschiedete den ungeliebten Rivalen in die Zweitklassigkeit, die diesmal aber nur ein Jahr dauern sollte.

Die Zuschauerzahlen bewegten sich in der Mehrzahl im fünfstelligen Bereich. Nur zu diversen Pokalspielen, wie dem Olympiapokal 1964, dem FUWO-Pokal 1972 oder in der DFV Toto Sonderrunde 1976, war der Besuch eher dürftig. Diese Spiele waren aber vom Verband (DFV) offiziell angesetzte Pflichtspiele. Im September 1964 – im Olympia Pokal – gab es für Wismut Aue die bis heute höchste Derby Niederlage. Mit 0-6 zog man gegen den SCK den kürzeren. Der Olympia-Pokal 1964 der FuWo wurde damals zur Überbrückung der Pflichtspielpause der DDR-Oberliga wegen dem Olympischen Sommerspielen in Tokio 1964 durchgeführt.

Zum 84. Derby wird es auf den Rängen in Aue ein ganz schönes Gedränge geben. Das Spiel ist logischerweise ausverkauft. Hinsichtlich des momentan im Umbau befindlichen Auer Stadions und der nur etwas mehr als 10.000 Zuschauern, sind die ganz großen Derbyzeiten Zuschauertechnisch ganz offensichtlich vorbei. Natürlich gibt es am Sonntag eine fünfstellige Zuschauerzahl. Die letzte in diesen Dimensionen bei einem Derby Aue gegen CFC/FCK liegt schon fast 26 Jahre zurück. In der Rückrunde 1989/90 (Mai 1990) passierten damals 11.800 Zuschauer die Stadiontore im Auer Otto-Grotewohl-Stadion. Der Zuschauerrekord zwischen den beiden Rivalen stammt übrigens aus der Saison 1973/74. Im September 1973 sahen 24.000 im Dr. Kurt Fischer Stadion einen 4-1 FCK-Heimsieg. Dieser Rekord ist und bleibt wohl Geschichte für lange Zeiten oder die Ewigkeit? Nach der politischen Wende stand man sich in der drittklassigen Regionalliga Nordost und Nord insgesamt 10mal gegenüber, jedoch wurde die 10.000er Marke nicht geknackt. Auch in den beiden Finalspielen im Sachsenpokal, 1998 und 2010, wurde dies nicht geschafft. Erst im November 2015 gab es in der 3. Liga wieder eine fünfstellige Zuschauerzahl. 12.500 sahen einen 2-1 Auer Auswärtssieg im neuen Chemnitzer Stadion an der Gellertstrasse. (Burg)

Derby-Bilanz mit Klassen Zugehörigkeit
2 Spiele | DS-Liga 1950/51
61 Spiele | Oberliga 1954-1990
6 Spiele | Regionalliga Nordost 1996-1999
4 Spiele | Regionalliga Nord 2001-2003
1 Spiele | 3. Liga 2015
2 Spiele | Sachsen Pokal 1998 + 2010
4 Spiele | FDGB-Pokal 1954 + 1968 + 1982 + 1989
3 Spiele | andere Pokalspiele (Olympia-, Fuwo- und DFV Sonderpokal)
Gesamtspiele = 83 (Stand November 2015)

In 38 gemeinsamen Spielzeiten (inkl. der aktuellen Serie 2015/16 und der OL-Übergangsrunde im Herbst 1955) spielten beide Vereine zusammen in einer Liga. 28 Serien gingen sich beide sportlich aus dem Weg. Mal war Aue höherklassiger (satte 20 Spielzeiten), mal waren es die Chemnitzer die ligatechnisch über den Konkurrenten aus dem Tal spielten. Dies war aber nur 8 mal der Fall (1990/91, 1991/92, 1992/93, 1993/94, 1994/95, 1995/96 + 1999/00, 2000/01).

Derby-Geschichten in den Medien
Jan Schmidt
Chemnitzer ein Veilchen
Ronny König
Prestigeduell
CFC fanpage
Geschrieben von Burg am 23.04.2016, 19:52   (936x gelesen)