Fußball in Slowenien (Koper vs. Domzale) (1)

08.09.2001

Slowenien, Si.Mobil League: FC Koper vs. NK Domzale 4:0 (1:0)

(Kay) Während der Urlaubszeit war es in den letzten Jahren schon fast zur Tradition geworden, in der entsprechenden Region ein Fußballspiel mitzunehmen. Auch in diesem Jahr wollten wir daran festhalten und informierten uns bereits frühzeitig, nachdem unser Urlaubsziel Kroatien feststand, über stattfindende Spiele. Eine große Hilfe war uns dabei der Kicker. Die Redaktion der Online-Ausgabe des Sportmagazins reagierte sehr schnell und hilfreich auf unsere Anfrage. Die Ansetzung war günstig und schnell stand fest, das wir der ersten slowenischen Liga und dem Verein Koper einen Besuch abstatten würden.

Auf dem Weg in dem kroatischen Teil der Halbinsel Istrien, genauer in deren nördlichste Stadt Umag, erhielten wir einige Nachrichten über den 2:1-Sieg unserer Veilchen in Osnabrück, so besserte sich unsere Laune bei strömendem Regen auf der Autobahn... Bei besten klimatischen Bedingungen und 25° Wassertemperatur in der salzigen Adria vergingen die ersten Urlaubstage wie im Fluge und der siebente Spieltag der Si.Mobil League in Slowenien rückte näher. Ausgerüstet mit je 30,- DM und etwa 1,50 in Landeswährung (Tolar) machten wir uns zu zweit auf, die ca. 35 km lange Fahrt ins Nachbarland anzutreten, begleitet von „Radio Italia Network“. An der Grenze gab es trotz An- und Abreisetag aller großen Urlaubsorte in der Region keinen Stau und für Inhaber eines EU-Reisepasses sowieso keine Probleme (meist schaut noch nicht mal einer nach, ob es der eigene Pass ist...). Bereits gegen Mittag trafen wir in „Copadistra“, wie der italienische Name von Koper, dem „Kopf Istriens“ heißt, ein (in der Region leben viele Italiener, nicht zuletzt, weil die Region zu seiner Zeit der Venezianischen Herrschaft angehörte und seither architektonisch davon geprägt ist, viele Schilder in Istrien sind daher doppelt beschriftet). Das Stadion war schnell gefunden (und fotografiert) so das für Geldtausch und Stadtbesichtigung einige Zeit verblieb bis zum Anspiel um 17.30 Uhr.

Wir machten uns also auf durch die vielen engen Gassen von Koper, das ein oder andere Erinnerungsfoto wurde geschossen und der slowenische Gerstensaft getestet. Bei tollem Blick auf ein Yachthafen-Becken ließen wir uns die „Union“-Biere schmecken (kann man durchaus empfehlen). Ca. eine halbe Stunde vor Kick-Off löhnten wir 1.300 Tolar Eintritt (pauschal für Sitz- und Stehplatz, umgerechnet DM 11,61 / € 5,94). Beim Weg auf die Tribüne verfolgten uns hunderte skeptische Blicke, wohl wegen unserer lila Trikots...

Natürlich fieberten wir dem gastgebenden FC Koper nach, welcher in der letzten Saison fast im internationalen Geschäft gelandet wäre, wohingegen der Gast nur knapp dem Abstieg entrann. Nur wenige Augenblicke nach dem Anspiel stellten die gelb-blauen, ganz zur Freude der ca. 2.500 Anhänger, die Zeichen auf Sieg. Während die einzigste Bengalo-Fackel abgebrannt wurde, überbrachten die Fans um uns das freudige Ereignis via Handy an daheimgebliebene, in einer Vielzahl, die man noch nicht mal hierzulande kennt. Danach Fußball-Langeweile pur. Die Gäste hatten die ein oder andere Chance, einem jungen Stürmer fehlte wohl aber die nötige Abgeklärtheit, um auch mal zu vollenden. Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, das der Schlussmann von Koper einer der besten Spieler auf dem Platze war. Dennoch plätscherte das Spiel dahin und wir einigten uns darauf, das wir eine Partie auf Oberliga-Niveau sahen. Kurz vor der Pause wurde sehr überraschend ein Banner der „Tifosi Koper“ aufgehängt, die Stimmung im Ground war dennoch eher mäßig...

Wir hatten uns schon mit dem langweiligen 1:0 abgefunden, als sich in der letzten Viertelstunde die Ereignisse überschlugen und bei Domzale alle Dämme brachen. Zunächst brachte Koper einen Einwechsler der fast schon euphorisch gefordert und gefeiert wurde. Dieser war kaum auf dem Platze, als die Gäste eine Gelb-Rote von sonst sehr zurückhaltenden Schiri einstecken mussten. Der vorher von uns als „Jockel Kirsten“ betitelte Spieler (wir kannten ja keine Namen und eine Anzeigetafel gab es nicht..) stellte sich, nach bis dahin mäßiger Partie, als Matchwinner heraus und steuerte zwei der folgenden drei Tore für Koper bei. Übrigens gab es – rein optisch gesehen – auch einen Holger Hasse bei den Gastgebern in der Abwehr...

Auch wenn die Partie kein sensationelles Match war, hatte man doch einen 4:0 Heimsieg in einem Erstligaduell gesehen. Später verriet uns der slowenische Videotext, das wir ein Spiel gesehen hatten, dem noch relativ viele Fans beiwohnten... Leider wurde die Tafel sehr schnell gelöscht, so das wir keine Gelegenheit mehr bekamen, zumindest die Torschützen zu notieren.

Auch die zweite Woche unseres Kroatien-Aufenthaltes ging leider viel zu schnell vorüber. Überschattet wurde unser Urlaub jedoch von den schrecklichen Ereignissen in Amerika, grade zurück vom Strand, trauten wir am 11. September kaum unseren Augen, als wieder und wieder die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon im TV gezeigt wurden. Auch wenn es ganz und gar nicht meine Art ist, verbrachte ich doch den gesamten Abend vor dem Fernseher und ließ die gezeigten Bilder auf mich wirken. Wer an diesem Tag noch an Fußball dachte, dem ist wohl nicht zu helfen. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer dieses hinterhältigen, feigen Verbrechens.

Die Tribüne.Die Gegengerade.
Jubel nach dem 2:0. Blick von der Tribüne.