Sachsenpokal-Achtelfinale: Dynamo - Chemie

Dynamo Dresden – Chemie Leipzig 6:7 n.E. (2:2, 2:2 n.V.)


(Kay) Gerade mal in der Landeshauptstadt unterwegs, wird auch noch ein Pokal-Klassiker mit Live-Auslosung der nächsten Runde veranstaltet. Dazu noch der Auftritt des nächsten Gegners unser Elf.

Auf den ersten Blick verwunderlich, das dieses Match an einem Dienstag-Abend ausgetragen wird, denn beide Mannschaften hatten in Ihren Ligen das Wochenende vorher spielfrei. Doch – wie jeder weiß – spielen die beide Dresdner Mannschaften (Dynamo und DSC) seit dieser Saison zusammen im Harbig-Stadion. Vorrang hat dabei die höherklassig spielende Elf, also der DSC. So gastierte also am Samstag Essen in Dresden vor 897 Zuschauern, Dynamo schaute in die Röhre und mußte am Dienstag das Flutlicht anknipsen für 3.878!
Beide Mannschaften enttäuschten bisher mehr oder weniger in Ihren Ligen, obwohl auf beiden Seiten vor der Saison große Töne angestimmt wurden. Seitens der Dresdner wohl Zweckoptimismus, weil im Banne der Kinowelt sicher kaum ein zweites Jahr Oberliga drin sein würde und seitens der Leipziger ein klassischer Fall von Selbstüberschätzung (ebenfalls im Hafen der Kinowelt..). So mußte bei den Leipzigern (16. Reginalliga Nord) bekanntlich nach nur fünf Spieltagen ein neuer Trainer her (Uluc ging und mit Bonev wurde Bulgariens ehemaliger Nationaltrainer, der ´98 noch bei der WM in Frankreich trainierte, verpflichtet). In Dresden (6. Oberliga Süd) suspendierte (immer noch-) Trainer Cor Pot Popovic (der ablösefrei den Verein wechseln darf) und Milenkovic, der aber bereits in diesem Spiel wieder mitwirken durfte (die Dynamos haben einige verletzungsbedingte Ausfälle, vielleicht ist damit der Sinneswandel zu erklären..). Für beide Mannschaften könnte ein Weiterkommen also eine versöhnliche Geste den Fans gegenüber sein.
Das Spiel begann eher langweilig, einzig die vom Fanprojekt durchgeführte Rote-Fakeln-Nummer (die halbe Kurve wurde durch eine Nebelwand verhüllt und ausgeleuchtet) konnte beeindrucken. Die Dresdner anfangs bemüht aber mit vielen nervösen Abspielen, die Gäste dagegen eher verhalten, ließen die Dresdner ins Spiel kommen. So kamen die Hausherren besonders durch starken Einsatz von Manislavic zu zwei bis drei Großchancen, die durchaus die Entscheidung hätten bringen können.
Zur Halbzeit dann die Pokal-Auslosung des Viertelfinales: Zuerst Pirna gegen Gimma, dann „Oberligist FSV“ Z... (wir konnten nur schmunzeln, um uns herum einige Aue-Rufe, allerdings nur der Schadenfreude wegen..) dazu gezogen wurde...der Gewinner der aktuellen Partie (ein Raunen ging durch die Reihen, beide Lager wohl eher abgeneigt). Dann der FCE, gleich mit der Voraussage, das diese Ansetzung gedreht wird. Drin waren noch Leipzig II (gleiche Ansetzung wie im Vorjahr?), Plauen (kein schlechter Gedanke eigentlich, wieder 10.000 Aue-Fans im Vogtland?) und Neugersdorf (wieder ein Landesligist und wo liegt das überhaupt?), letztere wurden es dann auch. Für Plauen war folglich nur noch VfB II drin und das mußte noch gedreht werden.
Nach der Pause zeigte auch der Regionalligist, das er gewinnen wollte, konnte aber das Spiel nicht an sich reißen. (Ein Klassenunterschied war übrigens im gesamten Spiel nicht erkennbar.) So waren es zunächst die Gelb-Schwarzen, die durch Junghänel in Führung gingen (72.). Jubel auf den Rängen und erstmals überzeugende „Dynamo“-Rufe, die den Fans aber im Halse stecken blieben. Ein Schuß – ein Tor 1:1 (Schiemann, 73.). Große Freude im Block C, die ebenfalls gleich wieder umschlug. Denn das 2:1 fiel nur zwei Minuten später durch Manislavic (75., der hatte es wirklich verdient). Während es der Stadionsprecher beim ersten Führungstreffer zumindest noch schaffte den Torschützen zu erwähnen, war er nun ebenfalls platt: Ein zweiter Schuß – ein zweites Tor für die Leipziger, 2:2 durch Lünsmann in der 76. Minute. Keiner wußte ob er fluchen oder lachen sollte, fünf Minuten, die es in sich hatten. Doch irgendwie hatte man danach schon das Gefühl, das nun nicht mehr viel passieren würde.
Hinter uns erzählte man sich, das man Gerd Schädlich im Stadion getroffen hatte und rätselte, warum der wohl da war. Man einigte sich darauf, daß Aue wohl demnächst gegen Leipzig spielen würde. Als ich mich ins Gespräch einmischte, mit den Worten „am Samstag“, begannen die Beiden laut nachzudenken. Woher man das denn so schnell wissen könne und warum ich wohl bei Dresdner Toren nicht jubelte. Um falschen Annahmen zuvor zu kommen ergänzte ich, das ich auch bei den Toren der Chemiker nicht gejubelt hatte. Nachdem wir also zu dem Schluß gekommen sind, das wir aus Aue sind, war das Gespräch beendet. (Allerdings verabschiedeten uns die beiden trotzdem vor Verlassen des Stadions und wünschten uns noch einen schönen Abend...)
Verlängerung. Anfangs beide bemüht, den entscheidenden (oder wenigstens den ersten Treffer) zu erzielen, später dann aber nur noch nach dem Motto „bloß keins zulassen“. Da dies wohl beide Mannschaften dachten gab´s die Entscheidung vom Punkt. Kurz gesagt, der zweite Dresdner Schütze (Kapitän Ahrens, in eigenen Reihen als „Schwuchtel“ beschimpft) verschoß und die Elbestädter verstummten. Erst als Georgiev für die Leipziger das Leder an die Latte schoß wieder Stimmung bei den Schwarz-Gelben. Doch nicht mehr lang, 4:4 der Stand nach je fünf Versuchen, Dynamos sechster Schütze scheiterte an Schachsen-Keeper Twardzik.
Übrigens, Hagen Schmidt, unser Mister Zuverlässig in der letzten Saison, hatte ja eine längere unfreiwillige Auszeit nehmen müssen (Rotsperre). An diesem Abend machte er nicht unbedingt eine gute Figur. Und Rüdiger Huster bei Dresden? War anwesend, durfte immerhin für Dynamo-Keeper Kresic Pässe zur Aufwärmung treten. Ebenfalls Ex-Auer (aber schon länger Ex) Rietschel machte ein ordentliches Spiel und schoß sogar einen Elfer für den FCS.