Liberec - Liverpool & Liverpool - Coventry City

UEFA-Cup: Slovan Liberec – Liverpool FC 2:3
Premier League: Liverpool FC – Coventry City 4:1


Wenn der Liverpool FC fast vor der eigenen Haustür spielt, kann man sich das natürlich nicht entgehen lassen. Also steuerte ich mit einem Kumpel das tschechische Liberec an, um die Reds mal wieder international zu supporten. Der kleine, 7.000 Zuschauer fassende Ground war seit Wochen sold out, für die Tschechen war es das Spiel des Jahres. Nur mit einem klugen, taktischen Schachzug konnten wir uns zwei Tickets ergattern, welche an diesem Tag „Gold“ wert waren. Allein die Tatsache, daß ca. 1.000 Scouser in der Stadt waren, aber am Ende nur 400 im Stadion, spricht Bände.
In der Innenstadt von Liberec fiel die Polizei durch übermäßige Präsens auf. Weiterhin gefiel uns gar nicht, daß die Kneipen dem Ansturm durstiger Engländer nie und nimmer gewachsen waren. Kein Personal, keine Gläser, kein Bier, kein Wechselgeld – alles Fakten, die für englische Fußballfans einer Katastrophe gleich kommen. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß die Liverpooler überhaupt nicht wußten, wie sie ihre Kronen loswerden sollten. Statt den gewohnten £ 2,50 für´s Pint zahlte man hier für einen halben Liter – sofern man einen bekam – gerade mal lächerliche 30 Pence.
Exakt 20.00 Uhr begann der Kick (Liberec hatte extra eine Flutlichtanlage bauen lassen!) und keine zehn Minuten waren gespielt, als der kleine Ground inmitten eines Steinbruches bebte. Nach einem Ziege-Schnitzer köpfte ein Tscheche in Mothes-Manier zum vielumjubelten 1:0 ein. Somit war Liverpools Hinspielerfolg (1:0 durch Heskey at Anfield) egalisiert. Doch die Reds behielten die Nerven und als der kleine Barmby das 1:1 machte (per Kopf!), war das Ding eigentlich gelaufen. Im Zweiten Durchgang hatte Liberec nichts mehr hinzuzusetzen, Liverpool spielte nun locker auf. Heskey, der eine super Vorstellung bot, machte das 2:1. Dann kam Micky Owen. Nach seiner Gehirnerschütterung (im Spiel bei Derby County) stand er erstmals wieder auf dem Platz. Und der Stadionsprecher hatte die Einwechslung noch gar nicht kund getan, konnte er bereits das 1:3 vermelden. Owen wurde eingewechselt, rannte schnurstracks zur anderen Seite des Platzes, wo Liverpool einen Einwurf hatte. Er bekam den Ball und jagte das Leder nach zwei Ballberührungen aus 20 Metern in den Kasten, gerade nach dem Motto: „Jetzt hab ich lang genug pausiert, laßt mich endlich wieder Tore schießen.“ Das 2:3 in der Schlußminute war zwar nur noch Ergebniskosmetik, jedoch ein Traumtor, was Liberec noch ein Versöhnliches Ende bescherte.
Nach dem Spiel hatte ich noch die Gelegenheit mit dem schwachen Ziege zu sprechen und informierte ihn, daß ich in drei Tagen zum nächsten Spiel gegen Coventry nach Anfield komme, ich jedoch noch schnell zu hause Aue gegen Münster schauen muß. Dies hat er mir aber wahrscheinlich doch nicht ganz abgekauft, egal. Also ging´s von Liberec über Aue (0:0) nach Liverpool. Es sollte meine letzte Stippvisite in Beatles-City für dieses Jahr werden.
Das Spiel gegen die im unteren Tabellendrittel stehenden „Sky Blues“ wurde mit 4:1 gewonnen, Liverpool blieb somit weiter an den beiden führenden Teams ManU und Arsenal dran. Die Stimmung im (natürlich ausverkauftem) Ground war ordentlich, das Spiel der Reds auch. Allerdings versäumte man es, noch mehr Tore zu erzielen. Besonders Owen sündigte auf ungewohnte Art. Selbst die klarsten Chancen konnte er nicht verwerten, war eben nicht sein Tag. Egal, bei solch einem klaren Sieg kann man locker darüber hinweg sehen. Obwohl Heskey´s 4:1 ein Bilderbuchtor war, machte Coventry das Tor des Tages. Der zwischenzeitliche Anschlußtreffer zum 2:1 durch den Ex-Liverpooler Thompson – ein sagenhafter 25 Meter Knaller unter die Latte – versetzte sogar die LFC-Fans in Verzückung. Es gab spontanen Applaus, der Scouser, wofür sich Thompson artig bedankte.

Bis bald, BING