Spielberichte
26. Spieltag, 28.03.2004

Karlsruher SC:FC Erzgebirge Aue
3 5


Wildparkstadion, Sonntag 28. März 2004

(Kick off 15.00 Uhr)




TORFESTIVAL IM BADISCHEN – NICHTS FÜR SCHWACHE LILA WEIßE HERZEN

War man schon zwei Wochen zuvor ob der unerwarteten Torflut der Veilchen auf fremden Plätzen in Oberhausen angenehm überrascht, so wurde dieses Ergebnis noch getoppt. Im sonnen überfluteten Wildparkstadion lieferte der Aufsteiger aus dem Erzgebirge seinen wieder zahlreich angereisten Schlachtenbummlern eine fast unglaubliche Geschichte für die Vereinschronik und den Stammtischen, die man sich wohl noch in 100 Jahren erzählen wird. Andrzej Juskowiak mit dem bis dato schnellsten Tor in der noch jungen FCE-Zweitliga-Historie (5.), Matthias Heidrich mit einen Freistoß-Tor (11.), wieder Andrzej Juskowiak (12.) und schließlich Nic Noveski (19.) mit einen schon fast obligatorischen Kopfballtor nach Eckball, versetzten nicht nur den Trainer Gerd Schädlich und alle in der Heimat am Videotext oder TV mitfiebernden Fans in einen Traum. „Wenn man zu einer Mannschaft fährt, die nur 2 Punkte mehr auf ihrem Konto hat, dann fährt man natürlich mit dem Ziel dorthin, auch zu gewinnen. Eine 4-0 Führung nach 20 Minuten, davon träumt man als Trainer. Aber was wir danach gespielt haben, war Überheblichkeit pur. So kann man nicht spielen, denn wir haben ja nur noch versucht, das Ergebnis zu verwalten“ legte sofort ein ruhig und sachlich analysierender Trainer Gerd Schädlich das nun folgende Trainings-Arbeitsprogramm seiner Mannschaft fest. Denn diese 70 Minuten, indem der hohe Vorsprung schon fast fahrlässig verspielt wurde, gilt es, so Schädlich, kritisch anzusprechen. War das erste Tor der Karlsruher (21.) noch ein Schönheitsfehler, den sie mit ihrem ersten richtigen Angriff überhaupt erzielten und das FCE-Torwart Jörg Hahnel selbstkritisch auf seine Kappe nahm, so stürzten sie ihre treuen Fans in der zweiten Halbzeit von einer Herzattacke in die Nächste. KSC Trainer Lorenz-Günther Köstner war zur Halbzeit überzeugt: „dass wir das Spiel noch drehen könnten“ und erinnerte seine Mannen an einige Beispiele aus der Vergangenheit. Fast wären die auch prompt um ein Kapitel reicher geworden, denn Quakili mit sehenswerter Volley-Direktabnahme (59.) und Casey (73.) nach schönem Flachschuss aus 17 Metern brachten den Gastgeber auf 3-4 heran. Aus Auer Sicht bahnte sich eine Katastrophe an, weil die Mannschaft mit jeder Minute auf unerklärliche Weise nervöser wurde. Trainer Gerd Schädlich wollte von draußen noch retten, was zu retten war. Erst brachte er René Trehkopf für Rüdiger Rehm (67.), weil der frische Melkam vom KSC deren Angriffsspiel ankurbelte und nahm den immer schwächer werdenden Tzvetomir Tchipev für Marco Kurth (75.) vom Feld. Zuletzt wollte er die Abwehr stabilisieren und gab René Krasselt nach über 3monatiger verletzungsbedingter Spielpause (77.) wieder eine Einsatzchance. Ronny Jank erlöste dann endlich neun Minuten vor Schluss seine Mannschaft und die zitternden Fans mit dem 5. Tor. Nach Einwurf von Trehkopf und schöner Flanke von Curri schraubte er sich am Fünfmetereck hoch und ließ seinen Gegenspieler Dick sowie KSC-Torwart Walter mit einem Kopfballtor keine Chance. Erst jetzt gaben sich die Gastgeber geschlagen und resignierten sichtbar. Ronny Jank hatte kurz danach nochmal freie Schussbahn und das sechste Tor auf dem Fuß, nach schönem Anspiel, aber er schoß über das Gehäuse (84.). Plötzlich lief der Ball wieder in den Reihen der Gäste. In der Nachspielzeit gab es nach einer Tätlichkeit von Ouakili gegen Emmerich noch die Rote Karte für den Marrokaner. KSC Trainer Lorenz-Günter Köstner, erwähnte nach dem Schlusspfiff in der Pressekonferenz, dass seine Mannschaft von einem rätselhaften Magen-Darm-Virus befallen war. Trotzdem übernimmt er die volle Verantwortung für diese Niederlage: „Unser Gegner hat die daraus erfolgten erforderlichen Umstrukturierungen im Mittelfeld und Sturm gnadenlos ausgenutzt“. Anfragen von heimischen Journalisten, ob eine Verlegung oder Absage denn gar nicht erwogen wurde, setzte der Manager des KSC klar entgegen, dass erst ab einer Mindest-Spielstärke unter 13 Spielern (inkl. dem Vertragsamateuren) laut DFB-Statuten, dies überhaupt möglich wäre. Gerd fügte fast lapidar an, dass er diesen Virus eher bei seiner Mannschaft gesehen hätte, nach der 4-0 Führung. Darauf hin erwiederte Lorenz-Günther Köstner: "Damit macht man keine Spässe". Gerd entschuldigte sich aber prompt. (Burg)






Karlsruhe: Walter - Wojtala (46. Eggimann), Zepek, Stoll (82. Schmitt), Dick - Ouakili, Männer (56. Melkam), Engelhardt - Casey, Cetin, Saenko

Aue: Hahnel - Emmerich, Jendrossek (77. Krasselt), Noveski - Heidrich, Toppmöller, Tchipev (75. Kurth), Rehm (67. Trehkopf) - Curri, Juskowiak, Jank

Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Dachau)

Zuschauer: 11.000 (knapp über 1.000 Aue-Supps/Quelle: KSC!)

Tore: 0:1 Juskowiak (5.), 0:2 Heidrich (11.), 0:3 Juskowiak (12.), 0:4 Noveski (19.), 1:4 Casey (21.), 2:4 Quakili (59.), 3:4 Casey (73.), 3:5 Jank (81.)

Karten: Engelhardt, Casey, Eggimann, Ouakili - Emmerich, Rehm, Jendrossek, Toppmöller
Ouakili (90./Tätlichkeit)