Spielberichte
10. Spieltag, 19.09.2009

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Erzgebirgsstadion, Sonnabend 19. September 2009
(Kick off 14.00 Uhr)


Aue gewinnt gegen Tabellenführer nach Rückstand


So was hat es im Auer Erzgebirgsstadion in dieser Saison noch nicht gegeben. Den Auer Veilchen gelingen 3 Tore in einem Punktspiel und Najeh Braham suchte man diesmal in der Torschützenliste vergeblich. Was für ein Spiel im sonnenüberfluteten Erzgebirgsstadion. Am Ende lagen Glück und Pech wiedereinmal ganz eng zusammen. „So ist eben Fußball“, antwortete Aues Trainer Rico Schmitt, auf die Frage wie er das nicht gegebene Tor von Roberto Pinto in der 33. Minute gesehen hat. Pinto vom SVS verstand nach diesen glasklaren Tor die Welt nicht mehr. Zwei weitere (entscheidende) Szenen verdeutlichten nochmal Licht und Schatten vom Schiedsrichter Felix Zwayer an diesen Tage. In der frühen Anfangsphase des Spiels pfiff er beim Versuch der Gäste einen Elfmeter zu schinden nicht gegen den FCE - Dorn ließ sich im Auer Strafraum fallen. Aber auch die Szene nach 52 Minuten ließ viele im Stadion den Kopf schütteln: Nach Foul an Braham im Strafraum (am Fünfmeterraum) verlegte er den Tatort einfach außerhalb und gab nur schlicht und einfach Freistoß für die Hausherren.
Für Gästetrainer Gerd Dais waren das am Ende nur Begebenheiten am Rande, fast kein Wort verlor er über diese strittige Entscheidungen in der Pressekonferenz. „Ein hochverdienter Sieg für Aue. Wir konnten in keiner Phase des Spiels Aue Paroli bieten und haben aus dem Nichts das 0-1 erzielt. Aber anstatt konsequent auf das 0-2 zu spielen haben wir wohl zu lange über das nichtgegebene Tor nachgedacht und dann haben wir heute mal gezeigt bekommen was man mit Leidenschaft erreichen kann“, beschrieb der SVS-Coach das Spiel seiner Mannschaft in 3 Sätzen.

Die Hausherren begannen gewohnt mit viel Schwung nach vorn und sehr hoher Laufbereitschaft. Schon nach 5 Minuten hatte Braham die erste Kopfballchance nach Flanke von Ramaj. Ein schöner Diagonalpass von Schaffrath, der den Vorzug vor Le Beau in der Vierer Abwehrkette bekam, leitete den Flankenball von Ramaj ein, den man in jeder Minute des Spiels die Leidenschaft und Willenskraft ansah, die Trainer Schmitt noch vorige Woche in Wiesbaden so vermisste. So müsste es eigentlich in jeden Spiel sein. Aue versuchte viel in der Anfangsphase aber die SVS- Abwehr gab sich keine Blöße. Der sehr gute Schuss von Klingbeil (17.) wurde leider von einem Abwehrspieler per Kopf aufgehalten, sonst hätte dieser wohl den Weg ins Tor gefunden. Eine weitere sehr gute Chance leitete der kaum zu bremsende Ramaj ein. Er setzte sich schön gegen Fießer auf links durch, doch seine gut getimte Flanke wurde dem am langen Pfosten lauernden Braham von Klotz „gestohlen“,der per Kopf den Ball aber nicht richtig erwischte. Der Frust vom völlig freistehenden momentanen Auer-Torschützenkönig war nur allzu verständlich. Vieles erinnerte bis zu diesem Zeitpunkt an das ähnlich verlaufene Heimspiel gegen Heidenheim. Einige ahnten es schon und nach 29 Minuten lag der Ball zum Entsetzten der Zuschauer im Netz von Martin Männel. Ein Tor wieder mal wie aus dem Nichts. Eine Mintzel Eingabe von der linken Seite verpassen gleich drei Spieler, darunter auch Paulus und Männel. Der Ball rutscht förmlich zum völlig freistehenden lauernden Ristic durch der Danke sagt und die Kugel ohne Mühe ins verwaiste Auer Tor schob. So was muss man erst einmal verdauen. Verständlicher Jubel bei den 26 handabgezählten mitgereisten Sandhäuser Fans im Block G und dem Hausherren flatterten sofort wieder die Nerven, wie schon mal erlebt gegen Heideinheim. Nur 3 Minuten später wäre fast Schock Nr. 2 gefolgt, als Fischer bei einem Konter auf den völlig alleine gelassenen Pinto im Auer Strafraum passte, dem aber der Ball zum Glück für Männel verspringt. So ist eben Fußball. Wiederum nur eine Minute später überlupfte Pinto, bei einem schnellen Gegenstoß über Schauerte, den herausstürzenden Männel und der Ball lag im Tor. Der Pfiff von Felix Zwayer (zeigte Handspiel an) kam in dieser Phase sehr glücklich für Kos und Co.
Aber wie schon so oft im Fußball erlebt ließ ein Geniestreich das Spiel von einen Minute auf die andere kippen. So ist eben Fußball. Der Geniestreich kam von Curri der einen Ball direkt in den Lauf von Ramaj weiterleitete. „Als ich auf Gurski zulief sah ich noch wie der Torwart hochsprang und drückte dann den Ball im letzten Moment nach unten und ihm somit durch die Beine“, kommentierte ein strahlender Alban Ramaj verständlicherweise nach dem Spiel diese so wichtige Szene des Spiels. Aue war sofort wieder da, als wenn einer (Ramaj) den Schalter wieder umlegt hatte. Unglaublich auch die Kulisse, die sofort wieder hinter der Mannschaft stand, trotz des 8-minütigen Hängers zwischen dem 0-1 und dem 1-1. Aber es wurde noch besser in der Phase als nur Aue spielte. Braham mit einem Ball parallel zum Strafraum, den sich der aus dem Strafraum kommende Hochscheidt erst erlaufen musste. „Zweimal habe ich Jan, Jan gerufen und dann steckte er mir den Ball perfekt durch. Der Torwart kam noch heraus und ich habe den Ball einfach an ihm vorbei ins Netz geschoben“, schilderte der Torschütze diese Atemberaubende Szene in der 42. Minute. „Heute haben wir die Tore auch zum richtigen Zeitpunkt gemacht“, resümierte er weiter um nicht unerwähnt zu lassen: „das wir endlich mal mit einem Sieg dies an unsere tolle Fans zurückgezahlt haben. Wir können stolz sein auf uns, dürfen uns aber nicht darauf ausruhen“.
Nach dem Führungstreffer spielten die Veilchen dann wie entfesselt, teilweise auch wie im Rausch. Curri mit einem schönem Distanzschuss und Braham mit einem Fallrückzieher begeisterten ihre Fans in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit tollen Szenen vor dem Gurski-Tor.

Nach dem Wechsel machten die Lila-Weißen sofort weiter wo sie aufgehört hatten. Ramaj (47.) prüft mit einem tollen Knaller aus vollem Lauf Gurski im SVS-Kasten und zwingt diesen zu einer Glanzparade. Sandhausen will sich aber noch nicht geschlagen geben und hat nach 49 Minuten den Ausgleich auf den Kopf von Kirsch und die Brust von Dorn. Die Entscheidung fällt nach 57 Minuten. Der aufgerückte Klingbeil springt höher als alle anderen und köpft eine wunderbar nach innen gezirkelte Freistoßflanke von Hochscheidt ins Tor zum 3-1. Für Rico Schmitt hatte Hochscheidt gezeigt, wie man seine Einsatzchance in beeindruckender Art und Wiese nutzen kann. Der Torschütze selber konnte sich an sein letztes Tor gar nicht mehr erinnern. „Ein exelenter Freistoß von Jan. Den muss er beim nächsten Mal auch wieder so machen“, freute sich Klingbeil nach dem Spiel. Sandhausen gab jetzt auch nicht auf und spielte weiter Richtung Männel-Tor. Aber sosehr sich Pinto und Rictic auch mühten, entscheidendes gelang ihnen jetzt nicht mehr. Aue wartete auf sich bietende Konterchancen. Schaffrath (69.) mit einem tollen Freistoß, der nur ganz knapp das Gehäuse verfehlte und Klotz (62.) der von Braham geschickt wurde, sich aber dann auf dem Weg zum Tor den Ball abluchsen ließ hatten schon gute Möglichkeiten. Diese wurden noch gesteigert durch Le Beau (76.) der völlig frei zum Schuss kam aber zu ungenau abschloss, nach schöner vorangegangener Ballstafette über Ramaj und Gambo. Die wohl größte Chance vergab Braham fünf Minuten vor Schluss. Er wartete viel zu lange mit dem Abspiel auf Ramaj und zwang dann Gurski trotzdem zu einer akrobatischen Parade. Erst den abgewehrten Ball vom Torwart bekam Ramaj auf den Kopf und vergab. Mit viel Applaus wurde Alban nach 88 Minuten vom Platz geholt. Nach seinem unglaublichen Laufpensum auf dem Platz, zeigte er selber zeigte an, ich kann nicht mehr. Nicht nur für Kapitän Tomasz Kos steht für die nächsten Spiele fest, „das wir endlich stabiler werden müssen“.

Pressekonferenz in Aue. "Wir haben heute den Willen in Perfektion gezeigt den wir vorige Woche nicht zeigten", Aues Trainer Rico Schmitt. Foto: Burg

Rico Schmitt in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Die Zuschauer haben heute ein tolles und kurzweiliges Fußballspiel gesehen. Die Mannschaft hat Charakter und Gesicht gezeigt in der Woche vor dem Spiel. Wieder einmal hat das 3-1 heute bestätigt, Siege im Fußball machen die einfachsten Grundtugenden aus“. (Burg)

Erzgebirge Aue: Männel – Klingbeil, Kos, Paulus, Schaffrath – Klotz (70. Gambo), Hensel, Curri, Hochscheidt (70. le Beau) - Braham, Ramaj (88. Stark)

SVS: Gurski – Bindnagel, Schuon, Kirsch, Mintzel – Fießer (69. Hosiner) – Pinto, Schauerte, Fischer (63. Jungwirth) – Ristic, Dorn (63. Lüttmann)

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Zuschauer: 6.500

Tore: 0:1 Ristic (29.), 1:1 Ramaj (38.), 2:1 Ramaj (42.), 3:1 Klingbeil (57.)

Gelbe Karten: Paulus (56.) – Fießer (53.), Schuon (68.), Pinto (81.)