Spielberichte
13. Spieltag, 18.10.2009

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Erzgebirgsstadion, Sonntag 18. Oktober 2009
(Kick off 14.00 Uhr)


Aue springt auf einem Aufstiegsplatz


Mit einem 2-0 Heimsieg über den alten Ostrivalen FC Rot-Weiß Erfurt im 91. Aufeinandertreffen*, ist den Veilchen der Sprung auf den 2. Tabellenplatz gelungen, der gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga wäre. Aber egal wem man nach dem Spiel im Auer Lager auf diese Situation ansprach, alle traten zu Recht auf die Euphoriebremse. Auch Aues Torwart Martin Männel hielt nach dem Spiel den Ball flach: „Natürlich ist es schön das wir da oben zu stehen und es macht auch Spaß z. Zeit, keine Frage. Aber es ist nur eine Momentaufnahme, denn es kann nächste Woche schon wieder anders aussehen“, diktierte er im Regen nach dem Spiel den wartenden Journalisten in die (nassen) Notizblöcke. Bei Aues Präsident Bernd Keller hörte sich das etwa so an: “Jetzt können wir auch ruhig mal wieder verlieren“. Auch für Rico Schmitt ist es eine Momentaufnahme: „Wir stehen nur 12 Punkte vor einen Abstiegsplatz. In der Liga geht es ganz schnell das man auch mal 4 Spiele in Folge verliert“, stapelte der 41-jährige geschickt tief und baut damit auch auf schlechte Zeiten vor, die irgendwann auch wieder das Lößnitztal heimsuchen werden.

Die Gastgeber profitierten auf nicht einfachen tiefen, rutschigen Geläuf, mit teilweisen Dauerregen, von ihren zeitigen Führungstreffer. Braham setzte sich auf dem rechten Flügel energisch gegen Hillebrand durch. Seine Flanke köpfte Ramaj, von der Rot-Weißen Abwehr völlig alleingelassen, unbedrängt zum umjubelten 1-0 nach schon 9 Minuten ein. Jähes Entsetzen im gut gefüllten Erfurter Gästeblock. Unmittelbar danach gab es Aufregung, weil plötzlich Martin Männel im Mittelkreis lag. Beim nach vorne laufen um mit zu gratulieren, „schubste mich Kammlott zweimal so, das ich das Gleichgewicht verlor“, schilderte der Auer Torwart die Szene. Aue kannte in der ersten halbe Stunde nur eine Richtung – nach vorne. Folgerichtig gab es dann auch weitere Möglichkeiten, so zum Beispiel von Hensel (22.), dessen Schuss aber Orlishausen hielt oder von Glasner (23.). Männel hielt erst nach 32 Minuten einen ersten ernsthaften Ball von Humbert. Die Gäste viel zu verhalten im Spiel nach vorn. Vor dem Wechsel verpassten noch Glasner (33.) und Hochscheidt (41.) zwei Eingaben vom sehr agilen Ramaj.

Nach dem Seitenwechsel gestalteten die Gäste die Partie ausgeglichener. Aue hatte in der 54. Minute die große Chance auf 2-0 zu erhöhen, doch Ramaj, schön von Kos steil geschickt, scheiterte an Orlishausen und Le Beau schoss im Nachschuss Abwehrspieler Pohl an. Den zurückspringenden Ball hob er dann über die Querlatte des Erfurter Tores. Aue zog sich jetzt immer mehr zurück und wartete auf Konter. „In dieser Phase haben wir uns zu weit nach hinten drücken lassen. Bei einem möglichen 1-1 hätte das Spiel kippen können“, fasste Aues Coach diesen brenzligen Abschnitt zusammen. Aber Erfurt fiel einfach nichts konstruktives ein. Von beiden Stürmern Semmer und Kammlott war nichts zu sehen. Stenzel (71.) versuchte es aus der Distanz und der Freistoß von Rockenbach da Silva (75.) war zu schwach um Männel ernsthaft zu fordern. So ärgerten sich die Zuschauer, das der junge Schiedsrichter einiges durchgehen ließ und auch so teilweise viel Gift in den Zweikämpfen aus zu machen war. Braham/Pohl war da nur ein Beispiel mit Hang zur Schauspielerei auf beiden Seiten. Sieben Minuten vor dem Ende band dann der, seit Wochen überragend spielende, Jan Hochscheidt den Sack zu. Von Paulus mit einem präzisen Anspiel schön in Szene gesetzt, narrte er den herauslaufenden Erfurter Torwart mit einem Heber ins lange Eck. Ein Tor zum Zunge schnalzen, ganz nach dem Geschmack der Zuschauer, die nun die La-Ola Welle durchs Stadion liefen ließen.

Erfurts Trainer Rainer Hörgl blieb nichts anderes übrig als artig in der Pressekonferenz zum Sieg zu gratulieren: „Wir waren heute nicht durchschlagskräftig genug und müssen neidlos anerkennen, das wir leider die schlechteren waren. Unsere beiden Stürmer sind heute an ihren Grenzen gestoßen, gegen die sehr erfahrende Auer Abwehr“.
Rico Schmitt dankte zuerst die tollen Zuschauer: „Ein Riesenkompliment an unsere Zuschauer die unsere Mannschaft nach vorne getrieben haben und das bei diesen Wetter. Das ist sensationell und spricht eindeutig für die Region. Das spüren auch die Spieler auf den Rasen“. (burg)


Pressekonferenz nach dem Spiel. Aues Trainer Rico Schmitt (r): "Wir müssen die Euphorie in Kanäle leiten, das es nicht überschwappt und dann zu grossen Enttäuschungen kommt". Foto: Burg

Aue: Männel - Le Beau, Paulus, Kos, Klingbeil - Hensel - Curri (66. Müller), Hochscheidt, Ramaj (89. Birk) - Braham (82. Agyemang), Glasner

Erfurt: Orlishausen - Malura, Pohl, Hillebrand, Ströhl (46. Möckel) - Bölstler, Cinaz, Rockenbach, Humbert (69. Stenzel) - Kammlott, Semmer (78. Pagenburg)


Tore: 1-0 Ramaj (9.), 2-0 Hochscheidt (83.)

Schiedsrichter: Eduard Beitinger (Regensburg)

Zuschauer: 10.500

Gelbe Karten: Ramaj (69.), Kos, (74.), Braham (80.) – Malura (40.), Pohl (45. + 1), Cinaz (65.), Möckel (83.)


* Bilanz Aue vs. Erfurt seit 1951
-70 Spiele in der DDR Oberliga von 1951 bis 1990
- 4 Spiele in der Amateuroberliga Staffel Süd von 1992 bis 1994
- 12 Spiele in der Regionalliga Nordost von 1999 bis 2000
- 2 Spiele in der 2. Bundesliga Saison 2004/05
- 3 Spiele in der 3. Liga Saison 2008/09 + 2009/10