Spielberichte
3. Spieltag, 10.09.2010

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osnatel ARENA, Freitag 10. September 2010
(Kick off 18.00 Uhr)


Aue verliert lila-weisses Aufsteigerduell und zahlt Lehrgeld


Die ersten Gegentore und die erste Niederlage kassiert. Für Erzgebirge Aue verlief das Freitag-Abend Spiel in der 2. Bundesliga beim VfL Osnabrück nicht so erfolgreich wie in den beiden Spielen zuvor gegen Paderborn und Bochum. "Erst beim Rückstand von 0-2 begannen wir mit dem Fusball spielen und nahmen auch unser Herz in die Hand", stellte FCE-Trainer Rico Schmitt nach dem Spiel fest und fügte auch treffend hinzu: "das die Fehler heute mehr bestraft wurden, als in den Spielen gegen Paderborn und Bochum. Dies war sehr lehrreich für uns. Daran arbeiten wir und gucken trotzdem nach vorn".

Beide Mannschaftsbusse vor der osnatelArena in Osnabrück. Foto: Burg

Klar tut es weh wenn man 0-2 zurückliegt und dann noch einmal mit dem 2-2 Ausgleich zurückommt und am Ende trotzdem verliert. Aber den meisten war doch klar, das das Glück, wie in den beiden Spielen zuvor, auch mal irgendwann aufgebraucht sein wird. Osnabrück, mit zwei 1-3 Niederlagen in die Saison gestartet, stand schon ein bißchen mit dem Rücken zur Wand. Sofort nach Spielbeginn versuchten sie die Gäste aus Aue in deren Abwehr zu drängen, doch hatten die Offensiv-Aktionen des VfL Anfangs noch keine echte Durchschlagskraft. Die Schüsse von Engel (6.), und Heidrich (19.) waren noch zu ungenau und der Versuch von Lindemann (15.) wurde von Lachheb im letzten Moment geblockt. Die Veilchen aus Aue hatten offensiv so gut wie nichts zu bieten. Sie spielten zu pomadig und mitunter völlig passiv. Einzig Schröder schaffte es nach 26 Minuten mal aufs Tor vom Gegner zu schiessen. Nach einer halben Stunde erhöhten die Osnabrücker merklich den Druck. Hatten die einheimischen Zuschauer schon in der 33. Minute, beim Kopfball von Engel, den Torschrei auf den Lippen, so rauften sie sich zwei Minuten später die Haare. Lenkte Männel den platzierten Distanzschuss von Adler reaktionsschnell zur Ecke, so brachte diese folgende das totale Durcheinander im Auer Strafraum. Schröder klärte gleich zweimal auf der Torlinie. Erst wird er von Bencik angeköpft, dann schlägt er einen Seitfallzieher von Nickenig, der zuvor an die Latte springt, endgültig aus den Strafraum. Die Osnabrücker wähnten den Ball schon hinter der Linie und Männel geriet wenig später mit Nickenig aneinander. Der Osnabrücker berührte bewusst oder unbewusst den Hals vom Auer Torwart, worauf dieser sich fallen ließ. Jede Partei sah es aus ihrer Sicht natürlich anders, trotzdem ging das Spiel ohne Folgen für Nickenig weiter. Männel bewies auch gegen Siegert (38.) seine Klasse im Auer Tor, der völlig freigespielt nach Pass von Lindemann, vor ihm auftauchte. In den restlichen Minuten der ersten Halbzeit blieben die Osnabrücker dominanter. Das schmeichelhafte torlose Remis zur Halbzeit war für Aues Trainer Rico Schmitt schon ein kleiner Teilerfolg und die gut 220 mitgereisten Auer Schlachtenbummler atmeten tief durch.

Nach dem Seitenwechsel machten die Hausherren da weiter wo sie aufgehört hatten und gingen in der 49. Minute verdientermaßen in Führung. Ausgerechnet der Ex-Auer Matthias Heidrich traf nach einem Einwurf von Nickenig und Kopfballverlängerung von Bencik. Klingbeil verlängerte zu allem Auer Unglück den Ball noch per Kopf zum freistehenden Torschützen, der per "Brechstange" Männel im Tor keine Chance ließ. Die weisse Weste von Männel war nach 229 Liga-Punktspielminuten Geschichte. Als nur Drei Minuten später Adler den Ball zum 2-0 für Osnabrück eindrückte, kochte die enge Bremer Brücke endgültig. Hansen verlängerte einen Freistoß von Lindemann und Adler hatte aus Nahdistanz keine Mühe. Jetzt musste man als Veilchen-Fan um seine Auer bangen. Unerklärlicherweise stellten die Hausherren nach einer guten Stunde das Fussballspielen ein und die Gäste versuchten nun viel konsequenter nach vorn zu spielen. Der unermüdliche Curri - zog mit Jörg Emmerich in den Zweitligaeinsätzen für Aue gleich (beide jetzt bei 142 Spielen) - bereitete mustergültig den Anschlusstreffer von Hensel (61.) vor. Sein Dribbling und Rückpass von der Grundlinie nahm Hensel mit rechts an und schob gekonnt mit links ins lange Eck. Danach war der VfL endgültig von der Rolle und es wurde merklich ruhiger im Stadion. Paulus köpfte sechs Minute später nach einer Curri-Ecke zum umjubelten 2-2 Ausgleich ein. Unfassbar wie der VfL seinen so starken Rhytmus verlieren konnte. Trainer Schmitt brachte Glasner für Kern und Müller für Kempe. Die Welt schien wieder in Ordnung für den Veilchen-Anhang und man hatte das Gefühl beide Mannschaften wollten nicht mehr so viel riskieren. Lindemann (73.) versuchte einen Seitfalllzieher, aber das war es auch schon. Umso mehr schmerzte dann der erneute Rückstand zum 2-3 aus Auer Sicht in der 82. Minute. Langer Ball vom VfL-Keeper Berbig, le Beau unterläuft den Ball der lange in der Luft war und der kurz zuvor eingewechselte Andersen kann den Ball von der Grundlinie auf den völlig frei stehenden Siegert passen der auch nur halbherzig von Klingbeil angegriffen wurde. Der Rest war ein Traumtor der Marke "schießt man nicht alle Tage". Mit den rechten Außenrist zirkelt Siegert den Ball von der Strafraumgrenze ins linke obere Eck. Männel springt zwar noch verzweifelt nach den Ball bekommt aber nur seine Fingerspitzen ans Leder. Logisch das die Bremer Brücke Kopf stand, volle oder halbvolle Bierbecher flogen durch die Luft.

Danach lief nicht mehr viel beim FCE. In den VfL-Strafraum kam man nun nicht mehr so richtig. Auf der Gegenseite hatte Schmidt (88.) noch einen Aufreger, setzte den Ball aber über den Kasten. Mit dem lautstarken Publikum im Rücken schaukelten die Osnabrücker ihren ersten Saisonsieg über die Zeit. Zwar mussten sie noch einmal kurz zittern, als Glasner 13 Sekunden vor Ablauf der zweiminütigen Nachspielzeit eine Schußchance bekam, doch sein Volleyversuch war am Ende glücklos. Trotz der Niederlage fiel kein böses Wort aus den Gästeblock. So muss es auch sein.

VfL-Trainer Karsten Baumann atmete tief durch: "Wir haben es uns schwerer gemacht als es sein musste. Fünf passive Minuten hätten uns fast um den Lohn der Arbeit gebarcht".
Aues Trainer Rico Schmitt anlysierte gewohnt sachlich und nüchtern und wollte auch keinen Stab brechen über die Mannschaft: "Wir konnten die Fehler von Osnabrück nicht so nutzen, wie es im Gegensatz der VfL bei uns getan hat" (burg)

Osnabrück: Berbig - Lejan, Stang, Engel, Nickenig - Heidrich - Hansen, Siegert, Adler (64. Andersen) - Bencik (70. Kotuljac), Lindemann (81. Schmidt)

Aue: Männel - Klingbeil, Paulus, Lachheb, le Beau (89. Wemmer) - Schröder, Hensel - Curri, Kempe (72. Müller), Schlitte - Kern (67. Glasner)

Schiedsrichter: Tobias Stieler (Obertshausen)

Zuschauer: 13.200 (davon etaws mehr wie 200 Auer Schlachtenbummler)

Torfolge: 1-0 Heidrich (49.), 2-0 Adler (52.), 2-1 Hensel (61.), 2-2 Paulus (67.), 3-2 Siegert (82.)

Gelbe Karten: Adler (20.) / Lachheb 854.), le Beau (76.)



Pressekonferenz nach dem Spiel in Osnabrück. Foto: Burg