Spielberichte
14. Spieltag, 28.11.2010

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Stadion der Freundschaft, Sonntag 28. November 2010
(Kick off 13.30 Uhr)


Aue geht beim Tabellenvierten unter und erlebt ein Debakel



Der FC Erzgebirge Aue erlebte beim Ostrivalen Energie Cottbus, im 26. Pflichtspiel Aufeinandertreffen, eine faustdicke Blamage. Mit einer 0-6 Niederlage ging man in der Lausitz sang und klanglos unter. „Heute sind wir auf den Boden der Realität aufgeschlagen“, analysierte Aues Trainer Rico Schmitt nach der höchsten Niederlage in der zweiten Liga. „So schlecht wie das Ergebnis aussagt waren wir aber auch nicht. Ein Tor hätten wir auch mindestens verdient gehabt. Die Mannschaft hat trotzdem Charakter gezeigt“, fügte er hinzu.

Nur in der Saison 1976/77 verloren die Veilchen noch höher, damals unter Wismut Aue spielend in der DDR-Oberliga, beim HFC Chemie mit 0-7. So eine Klatsche mussten die rund 1.300 mitgereisten Schlachtenbummler und die Mannschaft erst einmal verarbeiten. „Solche Tage gibt es halt im Fußball. Das schönste ist aber im Fussball, das wir es nächste Woche wieder beweisen können. Mir tun die vielen Auer Fans leid die das hier live vor Ort erleben mussten oder zu Hause vor den TV-Bildschirmen, aber ich habe immer gesagt das auch wieder Rückschläge kommen werden“, meinte Aues Mittelfeldspieler Marc Hensel nach der Partie.

Foto: Burg

Beide Mannschaften begannen offensiv und konzentriert. Hochscheidt, einer von gleich vier Ex-Cottbusern in der Startaufstellung der Gäste, prüfte schon nach 51 Sekunden Kirschbaum im Energie Tor. Es sollte der einzigste Torschuss in der 1. Halbzeit bleiben. Die Zuschauer mussten bis zur 17. Minute auf den ersten Höhepunkt des Spieles warten. Doch dieser sollte es in sich haben. Einen relativ harmlosen Freistoß von Hünemeier aus vielleicht 25 Meter ließ Aues Keeeper ins Netz rollen. Kurz vor dem Keeper, der in den 13 Spielen zuvor lediglich 9 Gegentoe kassierte, setzte der Ball auf und veränderte leicht seine Richtung. Der Auer Keeper berührte ihn zwar noch leicht mit der rechten Hand doch dann rollte das Leder an ihm vorbei ins Tor. Männel, bis dato Notenbester Torhüter der Liga, versuchte nach dem Spiel auch nach keinen Entschuldigungen su suchen: „Das 1-0 geht auf meine Kappe. Da muß ich mich bei der Mannschaft entschuldigen“. Trainer Schmitt wollte ihn auch nicht öffentlich an den Pranger stellen: „Sowas passiert halt. Jeder der schon mal Fußball gespielt hat, kennt dies. Martin hat uns in vielen Spielen zuvor geholfen. Die Welt geht deswegen nicht unter“.

Dieses Führungstor spielte den spielstarken Cottbusern natürlich in die Karten. Im Vorwärtsgang schlugen sie die technisch feinere Klinge. Aue blieb dagegen in seinen Angriffsbemühungen viel zu bieder. Am gegnerischen Strafraum war im Prinzp Schluß. Männel konnte sich nach 21 Minuten zum ersten Mal richtig bewähren als er einen Schuß von Jula hielt. Drei Minuten später musste er sich aber bereits zum zweiten Mal geschlagen geben. Nach einem Freistoß von der rechten Seite stieg Hünemeier am höchsten und köpfte zum 2-0 ein. Jetzt waren die Cottbuser endgültig der Herr im Haus. Das sah teilweise schon recht souverän aus. Bei Aue fehlte irgendwie der Wille hier was zu reißen. Viel Glück hatten die Gäste bei den hochkarätigen Chancen von Reimerink (30.-Männel hält) und Jula (38.-knapp vorbei). Danach flackerte der Spitzenreiter mal kurz auf und Schröder (39.) hatte bei seiner feinen technischen Einzelleistung Pech, das er am gegnerischen Strafraum hängenblieb. Als dann Kapitän Klingbeil kurz vor dem Seitwenwechsel (mit der Ampelkarte) vom Platz musste nahm das Auer Unheil erst so richtig seinen Lauf. Er fuhr Reimerink bei einem schnellen Gegenstoß an der Seitenauslinie voll in die Parade. Vorausgegangen war ein Eckball für Aue...

Schmitt blieb nichts anderes übrig als mit Beginn zur 2. Halbzeit in fast allen Mannschaftsteilen um zustellen. Er musste nämlich Paulus, wie auch Kos verletzungsbedingt kurzfristig doch zu Hause lassen. Er nahm le Beau gegen Glasner heraus. Birk und Müller spielten nun auf den beiden Abwehr Außenbahnen und Schlitte musste für Klingbeil in die Innenverteidigung. Kempe ging von der Sturmspitze zurück ins rechte Mittelfeld. Zwar gaben sich die Gäste trotz Unterzahl nicht geschlagen, hatten gegen die Wucht der Cottbuser aber kaum eine Chance. Männel versuchte zu halten was er halten konnte. Ein abgefälschter Schuss von Fandrich (50.) und ein sogenannter 100% aus 7 Meter gegen Petersen (56.) waren seine Beute. Reimerink (52.) schoss völlig frei neben den Auer Kasten. Das 3-0 fiel dann in dieser Phase völlig folgerichtig für Energie. Nach Freistoß von links (Kruska) schob Jula überlegt im 2. Versuch rechts unten ein. Die Gästeabwehr schaute nur zu. Aue gab sich immer noch nicht geschlagen. Alleine Glasner zerrte vorne an den Ketten. Wohl mit Wut im Bauch, weil nicht schon von Anfang auf den Rasen gestanden zu haben. Er hatte gute Chancen, wie in der 51. Minute (an den Pfosten), in der 58. Minute (Kirschbaum hält) oder in der 69. Minute (Schrägschuss drüber). Cottbus interessierte dies alles gar nicht mehr. Sie versuchten den Tabellenführer nach allen Regeln außeinander zu nehmen. Die Gästeabwehr war fast bei allen Angriffen der Platzherren überfordert. Das 4-0 von Jula (71.) war ein Traumtor aus gut 30 Metern in den linken Winkel fast aus dem Stand. Zwei Minuten später überflankte Bittroff von der rechten Seite die gesamte Auer Abwehr und Kurth, soeben von der Bank gekommen, drückte den Ball am langen Pfosten aus nur 4 Metern zum 5-0 über die Linie. Es war quasi seine erste Ballberührung. Ausgerechnet Kurth, der 219 Spiele für die Lila-Weißen absolvierte. Cottbus spielte wie im Rausch und war noch nicht satt. Innenverteidiger Hünemeier schlug 12 Minuten vor dem Ende zum 6-0 erbarmungslos zu. Einen Eckball von Ziebig köpfte er völlig freistehend ins Netz. Sein dritter Treffer an diesen Tag. Martin Männel im Tor konnte einen richtig leidtun. Für die Einheimischen Zuschauer war es ein Festtag, die forderten immer mehr und übeschütteten den Spitzenreiter mit Hohn und Spott. Männel verhinderte beim Fallrückzieher von Shao (85.) noch schlimmeres. Schiedsrichter Kircher erlöste die Auer Anhänger mit den Schlusspfiff von ihren Qualen.

Rundrum zufrieden zeigte sich der Cottbuser Trainer Pele Wollitz. „Wir hatten uns auf ein enges Match eingestellt und sind natürlich glücklich in Führung gegangen. Nach dem 3-0 spielte die Mannschaft ihre Philosophie einfach weiter, weil sie dann unheimlich gierig nach immer mehr ist. Wir haben gezeigt das wir in den nächsten drei Spielen den Grundstein legen können für mehr in dieser Saison“. Aues Trainer Schmitt vergass sich nicht im Namen des Vereins für die zwei Rauch-Böller zu entschuldigen. Bei der ersten Raucheinlage (53.) aus dem Gästeblock musste Schiedsrichter Kircher das Spiel für eine Minute unterbrechen. (Burg)

Cottbus: Kirchbaum – Ziebig, Brzenska, Hünemeier, Bittroff – Kruska – Roger (60. Shao), Fandrich (72. Kurth), Reimerink – Jula, Petersen (76. Radu)

Aue: Männel – Schlitte, Lachheb, Klingbeil, le Beau (46. Glasner) – Schröder, Hensel – Birk, Hochscheidt (73. Strauß), Müller – Kempe (61. Curri)

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)

Zuschauer: 14.550 (davon knapp 1.050 Auer|Quelle: FC Energie)

Tore: 1-0 Hünemeier (17.), 2-0 Hünemeier (24.), 3-0 Jula (57.), 4-0 Jula (71.), 5-0 Kurth (73.), 6-0 Hünemeier (78.)

Gelb-Rote Karte: Klingbeil/Aue (45.)

Gelbe Karten: - / le Beau (12.), Klingbeil (20.)


Pressekonferenz in Cottbus. Foto: Burg