Spielberichte
22. Spieltag, 14.02.2011

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Erzgebirgsstadion Aue, Montag 14. Februar 2011
(Kick off 20.15 Uhr)


Sieg in der Nachspielzeit – Kern trifft zum siebenten 1-0 Sieg


Als sich alle schon im Stadion auf ein Null zu Null einrichteten, geschah das kaum noch für mögliche: Enrico Kern traf in der 92. Minute zum 1-0 für die Auer Veilchen und brachte das Stadion zum kochen. Obwohl die zweiminütige Nachspielzeit schon bereits abgelaufen war, ließ Schiedsrichter Zwayer die Löwen noch einmal anstoßen und fast hätte Volland (90. + 3), auf Flanke von Lovin, mit dem Kopf zum Ausgleich getroffen. Männel hielt den Ball und sicherte somit die 40 Punkte, die Aue nach dem Abpfiff endgültig sicher hatte. Eine an Dramatik kaum zu überbietende Schlußphase in der sich besten Szenen überhaupt von der 90. bis zur 93. Minute abspielten, denn unmittelbar vor dem Siegtor hatte der Münchener Buck (90.) die Riesenmöglichkeit seine Mannschaft in Führung zu schießen. Glück für Aue, denn er schoß nur Männel an. Im Gegenzug entwickelte sich der Siegtreffer. Es war der bereits siebente 1-0 Sieg im Saisonverlauf für die Auer, die mit diesen knappsten aller Siege in der 2. Liga-Heimbilanz nun unangefochten auf den 1. Rang rangieren vor Hertha und dem MSV.

Erleichtert nach Erreichen der Zielmarke 40 war Aues-Mittelfeldspieler Marc Hensel, der mit sechs Toren immer noch erfolgreichster Torschütze der Veilchen ist. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen. Man fängt dann ein bisschen zu zittern an und hat Angst vor der 40er Marke. Deswegen war es unheimlich wichtig, das Ding zu ziehen“, erklärte der 24-Jährige und fügte hinzu: “Für Enrico freue ich mich besonders“. Der Torschütze war nach Spielende verständlichweise ein gefragter Gesprächspartner: „Das war heute was uns in dieser Saison auszeichnet, nämlich der Wille zum Sieg. Die Mannschaft ist nun so ehrgeizig und möchte nun so lange wie es geht da oben bleiben“.

Torschütze Enrico Kern. Foto: Burg

Die Platzherren gingen mit viel Elan in dieses insgesamt zehnte Aufeinandertreffen mit den Löwen. Die hatten von ihren letzten acht Auswärtspartien nur eines veroren. Kempe (5.) und Kern (8.) hatten Möglichkeiten zur frühen Führung. Auffällig viel Druck entwickelten die Veilchen über ihre rechte Schlitte-Seite, doch im Abschluß ließ man Genauigkeit vermissen. Schlitte (21., 39.) und Hensel (11., 26., 28.) konnten ihre sich bietenden Möglichkeiten, sei es per Fuß oder Kopf, nicht entschlossen genug nutzen. 1860 wagte sich Anfangs selten vors Männel Tor. Bierofka (6.) und Buck (22.) mit einem Freistoß, das war es auch schon. Erst nach einer Halben Stunde wurden die Löwen mutiger. Stahl (30.) prüft Männel und bringt beim Drehschuss von Ex-Nationalspieler Lauth (34.) gerade noch so seine Fingerspitzen an den Ball. In dieser Szene, als er sich unter Bedrängnis gegen Klingbeil behauptete, deutete der Münchener Stürmer seine derzeitige gute Form (10 Saisontore) eindrucksvoll an. Drei Minuten später läßt er ein Dribbling folgen. Erst Lachheb kann ihn im Strafraum stoppen. Aue rannte sich zum Ende der ersten Halbzeit immer wieder an der Löwern-Abwehr fest. Der bisherige Spielverlauf ließ aber für den zweiten Abschnitt gutes hoffen.
Dieser begann mit Auer Angriffsfussball der fast das 1-0 nach 48 Minuten gebracht hätte. Hochscheidt scheitert aus spitzen Winkel an Bell kurz vor der Torlinie, Hensel mit dem Nachschuss aus 17 Metern an Kiraly und Kern war vielleicht zu überrascht. Seine sich plötzlich bietende Möglichkeit aus nur 5 Meter geht weit über das Tor. Kiraly hatte den Schuss von Hensel fallen gelassen. Hensel (51.) hatte danach noch eine gute Schussposition aus 18 Metern, trifft aber den Ball nicht richtig. Die Löwen verlegten sich aufs Kontern. Volland scheitert an Männel aus spitzem Winkel, nach Bierofkas sehenswertem Seitenwechsel (54.), Danach passierte eine geschlagene halbe Stunde im Erzgebirgsstadion so gut wie gar nichts auf beiden Seiten. Die Gastgeber holten teilweise die Brechstange heraus, auch weil ihnen die Ideen (Curri) so langsam ausgingen. Auch die Standards halfen nicht. Der eingewechselte Ex-Löwe Milchraum (84.) läutete dann mit seinem 17-Meter Schussversuch die Auer Schlußoffensive ein, in der man bis auf den Rängen den ungebrochenen Siegeswillen spüren konnte. Müller holte den entscheidenen Eckball gegen Buck heraus, den Hochscheidt hereinbrachte. Kern schaltete im Durcheinander am schnellsten und brachte die Kugel technisch gekonnt auf lange Eck. Kiraly war zwar mit der Hand noch am Ball, aber vom linken Innenpfosten sprang das Streitobjekt ins Tor. Es folgte unbändiger Jubel im Stadion, der Blick auf die Tabelle (4. Platz) und viel Gesprächsbedarf nicht nur bei den Zuschauern.

Löwen-Coach Reiner Maurer sprach nach der Partie, von einem unverdienten Sieg, aus unsere Sicht. „Mindestens eine Punkt hätten wir verdient, denn es deutete sich lange vor dem Ende ein 0-0 an“, haderte er unüberhörbar mit der bitteren Niederlage aus seiner Sicht. Rico Schmitt konterte: Es gibt keine unverdiendten Siege nur verdiente Siege. Das Spiel geht nun mal 90 Minuten plus Minuten. Wir hatten die Power in Person von Enrico Kern“. Er fügte hinzu: „Die Mannschaft investierte heute enorm viel und hat für den Verein einen historischen Moment geschaffen. Jetzt sind die 40 Punkte da“. (Burg)

Männel – le Beau (83. Müller), Lachheb, Paulus, Klingbeil – Hochscheidt, Hensel – Schlitte, Curri (64. Milchraum), Kempe (83. Stephan) – Kern

1860 München: Kiraly - Rukavina, Bell, Bülow, Buck - Lovin, Stahl (52. Schindler) – Aigner (89. Wood), Bierofka (73. Ludwig) - Volland, Lauth.

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Zuschauer: 8.200

Tore: 1-0 Kern (90. + 2)

Gelbe Karten: Hochscheidt (12.), Milchraum (65.) - Bierofka (14.)


Pressekonferenz in Aue. Foto: Burg