Spielberichte
9. Spieltag, 23.09.2011

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Millerntor-Stadion Hamburg, Freitag 23. September 2011
(Kick off 18.00 Uhr)


Wiederauferstehung am Hamburger Millerntor


Der FC Erzgebirge Aue hat sich ausgerechnet beim übermächtigen scheinenden FC St. Pauli eindrucksvoll in der 2. Fußball-Bundesliga zurückgemeldet. Das Team von Trainer Rico Schmitt, mit einer Negativbilanz von zuletzt sieben Liga-Spielen ohne Sieg, besiegte am Freitag-Abend die bis dahin am Millerntor ungeschlagenen Kiezkicker völlig unerwartet mit 3:2 (0:1). „Ein geiles Fußballspiel mit viel fußballerischer Klasse. Die Mannschaft hat an sich geglaubt“, jubelte verständlicherweise Aues Trainer Rico Schmitt nach dem Spiel. Aues Mittelfeldspieler Marc Hensel, der jeden der ihm nach dem Abpfiff über den Weg lief, erst einmal umarmen mußte: „Das sind Momente die den Fußball so schön machen nach den vielen Rückschlägen in den letzten Wochen“.

Einlauf der beiden Mannschaften. Foto: Burg

Die Ausgangslage war ja auch entsprechend eindeutig gewesen. St. Pauli war mit 19 Punkten aus acht Spielen noch nie zuvor so gut in eine Zweitligasaison gestartetet und die Gäste aus dem Erzgebirge warteten seit dem 2. Spieltag auf einen Sieg in der 2. Bundesliga. Klare Verhältnisse, konnte man meinen. Doch auf dem Rasen waren diese zunächst nicht wirklich sichtbar. Aue hatte sogar von der ersten Minute an mehr Spielanteile und profitierte vom Platz, den St. Pauli ihren Gegenspielern im Mittelfeld gewährten. "Wir waren viel zu passiv und schauten zu wie der Gegner spielte", analysierte St. Paulis Trainer André Schubert. Ansehnlich für Auer Verhältnisse kurbelten immer wieder Hochscheidt über rechts und Kocer über links das Offensivspiel der Gäste an. Einzig die Harmlosigkeit der Veilchen im Spiel nach vorn war es zu verdanken, das daß St. Paulis Tor zunächst nicht ernsthaft in Gefahr geriet. Ein erster echter Torschuß von Kempe auf das Tor von Tschauner (15.) war dann zu schwach für den St. Pauli-Keeper. Die Hamburger dagegen warteten erst ab und waren immer dann gefährlich, wenn sie aus der Defensive kommend zu schnellen Gegenstößen ansetzten. Wie nach 8 Minuten als Ebbers auf Schindler paßt, doch Klingbeil im letzten Moment klären konnte. Beim zweiten gefährlichen Angriff ließ Bruns an der Strafraumgrenze Hensel aussteigen und zwang Männel zu einer ersten guten Parade (19.) die zum Eckball führte. Nach diesen, von Schindler getreten, lag der Ball plötzlich im Auer Tor. Nach kurzen Durcheinander bei dem die Auer Abwehr nicht entscheidend klären konnte, bekam Ebbers den Ball vor die Füße und verwandelte eiskalt durch die Beine von Lacheb ins lange Ecke zum 1-0 (20.). Von diesem Nackenschlag zeigten sich die Veilchen unbeeindruckt und spielten weiter nach vorn. Ein schöner Distanzschuss von Hensel (22.) zischte knapp links am Tor vorbei. Weitere Schußchancen von Hochscheidt, Kempe und Kocer bleiben aus Auer Sicht immer unglücklicherweise in der Pauli-Abwehr hängen. Nach 27 Minuten lag der Ausgleich dann doch mal in der Luft. Der sehr emsige Kempe, der das Spiel der Veilchen in zentraler Mittelfeldposition immer wieder antrieb, zwang Tschauner mit einem 18 Meter Knaller zu einer Glanzparade. St. Pauli spielte schnell und sehr rationell weiter auf Konter. Kruse scheiterte nach kurz ausgeführen Ecke an Männel (24.) und Bartels' Direkt-Versuch (36.) flatterte haarscharf rechts vorbei. Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel bedient Kocer mit schönem Diagonal-Seitenwechsel Hochscheidt, der scheitert aber mit einem Flachschuß an Tschauner. Trotz 0-1 Rückstand mußte man den Gäste bescheinigen das dies die zweitbeste Spielhälfte, nach Düsseldorf (2. HZ), im Saisonverlauf war. Spielerisch präsentierte man sich um einiges besser als in den Spielen zuvor.

Torschütze zum 1-3 Maik Könnecke nach dem Spiel am Gästeblock. Foto: Burg

Nach dem Wechsel bügelte Männel (49.) einen Lachheb Fehler aus und parierte anschließend einen Bartels Schuss aus Nahdistanz. Aue machte aber weiter das Spiel und wurde von Minute zu Minute stärker, nur ein Tor schien den Veilchen einfach nicht gelingen zu wollen. Erst scheiterte Hochscheidt (50.) am linken Pfosten und drei Minuten später rettete St. Paulis Sobiech auf Kosten seiner eigenen Gesundheit. Der Innenverteidiger (U-21-Nationalspieler) schlug den Klasse-Lupfer von Hochscheidt noch von der Linie und prallte dabei mit dem Sprunggelenk gegen den linken Pfosten. Er musste verletzt ausgewechselt werden und St. Pauli-Trainer Schubert seine Abwehr umstellen. Dies war vielleicht der Knackpunkt des Spiels zugunsten von Aue. Man könnte auch den Klasseangriff von St. Pauli hernehmen, der über Ebbers und Bartels ging doch Bruns scheiterte an Männel (58.). Für die Erlösung bei den gut 1.200 mitgereisten Auer Schlachtenbummler sorgte König nach einer Stunde. Kempe treibt den Ball durchs Mittelfeld, schickt Kocer auf der linken Seite und dessen halbhohe Flanke verwertete Aues Sturmtank mit langen Bein gegen Gunesch zum umjubelten 1-1 Ausgleich. Jetzt brachen nicht nur im Gästeblock alle Dämme. Das Spiel war in seiner besten Phase, Aue spielte am obersten Level und die St. Pauli Fans sorgten mit ihrer einzigartigen Atmosphäre für Gänsehautstimmung die einen Vergleich mit der englischen nicht zu scheuen brauchte. Auffällig wie gut Kempe und Kocer in den Auer Reihen harmonierten und die Abwehr um Klingbeil und Lachheb sich längst stabilisiert hatte. Es wurde um jeden Ball gefightet und weiter nach vorne gespielt. Diese Supereinstellung wurde nach 69 Minuten mit der Führung belohnt. Kocer setzte Kempe in Szene, dieser lief von halb links auf Tschauner zu und lupfte den Ball an ihn vorbei ins Netz. Aue ließ einfach nicht abreißen. Schröders Rückpass (73.) von der Grundlinie bekommt König leider nicht unter Kontrolle. Pauli brauchte einige Zeit um den Rückstand zu verdauen. Doch dann kämpften Sie sich wütend zurück ins Spiel. Die Chancen für den Ausgleich waren da, doch erst scheiterte Ebbers nach schönen Zuspiel von Saglik an Männel (78.) und dann fischte Aues Schlussmann einen Boll-Kopfball mit Rieseparade aus dem linken Winkel (81.). Dazwischen köpfte Torandt (79.) übers Auer Tor. Für die Entscheidung aus Auer Sicht und das i-Tüpfelchen sorgte der eingewechselte Könnecke (84.), der nach weiten Männel Abwurf (nach zuvor gehaltenen Bartels-Schuß) kurz nach der Mittellinie den Ball erlaufen konnte, zwei Hamburger abschüttelte und auch an Torwart Tschauner vorbeikam. Ohne Nerven schoß er den Ball zwischen die auf der Linie stehenden beiden St. Paulianer Schindler und Bartels hindurch zum 1-3 ins Netz. Die Gastgeber wollten sich mit der ersten Hemniederlage noch nicht abfinden. Kruse (86.) bekam eine Schußchance die Männel aber meisterte. Erst Saglik (90. +1) trifft dann zum zweiten Mal aus leicht Abseitsverdächtiger Position in der dreiminütigen Nachspielzeit. Aue brachte die restliche Zeit aber sicher über die Runden.

Stimmen:
"Nach dem 1:2 gegen uns, hatten wir noch zwei, drei richtig gute Situationen. Wenn uns da das Tor gelingt, kann das noch mal kippen", meinte Paulis Trainer André Schubert und fügte hinzu: „Aue hat seine Qualitäten heute wieder gezeigt und sich den Sieg absolut verdient“.
Martin Männel: „Wir haben heute gezeigt was wir auch können. Die Mannschaft hat nicht gegen den Trainer gespielt sondern einfach mit mehr Herz. Die Hamburger waren etwas überrascht das wir so dagegen gehalten haben“. (Burg)

St. Pauli: Tschauner – Sobiech (56. Funk), Thorandt, Schachten (46. Gunesch), Rothenbach – Boll – Bruns (75. Saglik), Kruse, Bartels, Schindler – Ebers

Aue: Männel – Schlitte, Lachheb, Klingbeil, Müller – Hensel, Schröder – Kocer (75. Könnecke), Kempe (86. Höfler), Hochscheidt (86. Le Beau) – König

Schiedsrichter: Christian Leicher (Landshut)

Zuschauer: 23.998 (davon 1.200 Auer Schlachtenbummler|Quelle: FC St. Pauli)

Tore: 1-0 Ebbers (20.), 1-1 König (60.), 1-2 Kempe (69.), 1-3 Könnecke (84.), 2-3 Saglik (90. + 1)

Gelbe Karten: - / Männel (80.)

Statistik:
Torschüsse: 17 – 23
Ecken: 8 – 7
Abseits: 3 – 1
Fouls: 8 - 16

mitgereiste Auer Schlachtenbummler 2011/12

Fr.22.7. - Ingolstadt | 1.000
Fr. 29.7. -Saarbrücken (Pokal) | 270
So.14.8. - TSV 1860 München | 1.700
Sa.20.8. - Braunschweig | 350
So.11.9. - FSV Frankfurt | 540
Fr.23.9. - St. Pauli | 1.200
14.10.-17.10. - SpVgg Fürth |
28.10.-31.10. - SC Paderborn |
18.11.-21.11. - Dynamo Dresden |
02.12-5.12. - VfL Bochum |
09.12.-12.12. - Aachen |
03.02-06.02. - Karlsruhe |
24.02.-27.02. - Cottbus |
09.03.-12.03. - Düsseldorf |
23.03.-26.03. - Hansa Rostock |
06.04.-09.04. - Union Berlin |
13.04.-16.04. - Eintr. Frankfurt |
29.04. - MSV Duisburg |

Pressekonferenz nach dem Spiel. Foto: Burg