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BSG Wismut Aue: Jörg Weißflog - Heiko Münch, Volker Schmidt, Bernhard Konik - Steffen Krauß, Jürgen Escher, Uwe Bauer, Holger Erler (70. Ralf Kraft), Roland Balck - Wilfried Reypka (76. Rainer Pietsch), Harald Mothes; Trainer: Harald Fischer
Dnepr Dnepropetrovsk: Sergei Krakovskiy - Sergiy Puchkov, Aleksandr Sorokalet, Aleksandr Lysenko - Sergey Bashkirov, Andriy Dilay (78. Aleksey Cherednik), Boris Shurshin, Gennadiy Litovchenko, Viktor Kuznetsov - Oleg Protasov, Oleg Taran (70. Nikolay Kudritsky); Trainer: Volodymyr Yemets
Tore: 0:1 Gennadiy Litovchenko (27.); 0:2 Oleg Taran (47.); 1:2 Volker Schmidt (75.); 1:3 Viktor Kuznetsov (76.)
Schiedsrichter: Jiri Stiegler (CSSR)
Zuschauer: 23000 im Otto-Grotewohl-Stadion Aue
Gelbe Karte: Steffen Krauß / Aleksandr Lysenko, Sergey Bashkirov
Verloren, aber das Gesicht gewahrt
 Auer Mannschaft gegen Dnepr Dneprpetrowsk. Quelle: Archiv Burg
Spiel und Ausgang bergen absolut nichts Sensationelles in sich. Wismut blieb bewährten Grundsätzen treu und stellte sich auch einem Partner zweifellos gutklassigen internationalen Formats furchtlos. Leistungsdifferenzen dabei zu verwischen, gelang der Elf erwartungsgemäß jedoch nicht. Wer das von ihr voraussetzte, verkannte die Realitäten gründlich. Erst recht nach den problembehafteten Begegnungen in der Meisterschafts-Startphase. Sie mußten, wie es Routinier Jürgen Escher vor dem Anpfiff aussprach, "aus dem Gedächtnis getilgt werden, um mit einer unumgänglichen Aufwertung eigenen Könnens das Bestmögliche zu erreichen".
Bei der spielerischen Klasse und Abgeklärtheit des derzeitigen Mitfavoriten in der sowjetischen Oberliga mit einer respektabfordernden Partie zu glänzen, war jedoch bei allem Fleiß und aller kämpferischen Hingabe nahezu aussichtslos, wie bereits die ersten Minuten nach Eschers gelungener Auftaktszene (Direktschuß nach 28 Sekunden knapp vorbei) verdeutlichten. Vielmehr setzte der Gast Akzente, die haargenau seinen hinreichend bekannten (und gefürchteten!) Fähigkeiten entsprachen. Mit weiten, exakten und das Spiel unberechenbar verlagernden Diagonalpässen ("auf die ich unsere Abwehr nachdrücklichst orientiert hatte", so Trainer Harald Fischer) wurden Protassow, Taran, Litowtschenko und andere in glänzende Schußpositionen gebracht. Zielstrebig-dynamischer, auf Raumgewinn orientierter Spielfluß in die Tiefe rüttelte bei Wismut zunehmend an den Grundfesten taktisch soliden Deckungsverhaltens. An Weißflogs stellungssicheren Paraden scheiterte Dnepr vorerst (allein viermal Protassow), aber jedermann spürte, daß der Gäste-Führungstreffer nur eine Frage der Zeit war.
 Auf dem Weg zum entscheidenden 3:1: Kusnezow, ein Mann von Klasse. Dahinter Schmidt. Foto: Frank Kruczynski
Von den individuellen Stärken, den Gegenspieler mit sicherer, gekonnter Ballführung zu überlaufen und Überzahlangriffe bei hohem, für Aue zu hohem Tempo zu inszenieren, profitierte die sowjetische Elf vor allem in den ersten 45 Minuten weidlich. "Den ständigen Positionswechseln zu folgen, sich nicht irritieren zu lassen, fiel uns dabei denkbar schwer" so Wismut-Trainerassistent Konrad Schaller mit dem geschulten Blick für Schwerpunkt-Situationen. Durfte man da Akteuren wie Balck (ohne OL-Praxis !), Münch (zu risikoreich vor dem 1:3) und anderen Fehler anlasten, die aus der ständigen Höchstanspannung resultierten? Gewiß nicht! "Wir alle hatten uns gedanklich so gut wie möglich auf diese Aufgabe eingestimmt", so Jörg Weißflog, "aber sie war zu schwer."
Fassungslosigkeit war nirgendwo anzutreffen im sicheren Gefühl dessen, sich bis zum Letzten verausgabt zu haben. Daß daraus nur selten gezielter Angriffsdruck resultierte wie beispielsweise in den stärksten Nachpausenszenen bis hin zu Schmidts Kopfball-Anschlußtreffer, konnte allerdings nicht übersehen werden. Im Ringen um Spielverständnis blieb allzuviel im Ansatz stecken, erhöhten Ballverluste im gegnerischen Drittel (wie vor der Torsprinteinlage Protassows mit Paß auf den freien Taran) vielmehr immer wieder die Gefahr, von überfallartigen Kontern ausmanövriert zu werden. Energisch vom Mann wegzukommen, gelang Mothes und den in pausenlosen Laufduellen mit Kusnezow verwickelten Krauß nur sporadisch. Sich an Dneprs homogenem Spiel zu messen, in der Spritzigkeit, sinnvollen Bewegung, Zweikampfbereitschaft (mit einigen Ungeschicklichkeiten bei Baschkirow, Lysenko) annähernd gleichzuziehen, blieb Aue versagt.
EC-unerfahrene Akteure mußten Lehrgeld zahlen. Aber das sollte man ihnen im nachhinein bescheinigen: Sie nahmen es ohne erkennbaren Substanzverlust an Kampfkraft und Moral hin. Dieter Buchspieß, Fuwo, 24.09.1985
Protassow spielte die erste Geige
Die individuell besser besetzten Gäste gewannen verdient / Litowtschenko ein hervorragender Dirigent
 Wilfried Reypka im Angriff. Foto: Frank Kruczynski Nach 25 Jahren Europacup-Abstinenz, zudem 35 Jahre nach dem Bau des Otto-Grotewohl-Stadions, rollte der EC-Ball wieder im Lößnitztal. Die Erwartungshaltung unter den Zuschauern war verständlicherweise groß. Bei weitem nicht nur Auer Fans im Stadionrund, auch die Gäste hatten ihren Anhang. In diesem fiel ein eifriger Trompeter auf, der pausenlos versuchte, das bekannte russische Lied "Katjuscha" zu intonieren. Bis zum Abpfiff wollten die Töne nicht so recht klappen, dafür funktionierte das Zusammenspiel seiner Landsleute auf dem Spielfeld umso besser. Als Dirigent eines harmonischen Orchesters entpuppte sich dabei Kapitän Litowtschenko, und als erste Geige Protassow. "Besonders an der individuellen Klasse dieser beiden sind wir gescheitert", mußte Wismut-Trainer Harald Fischer konstatieren. "Während des gesamten Spiels gelang es uns nicht, ihren Aktionsradius einzuschränken."
Besonders vor der Pause herrschte oft heillose Verwirrung in der Abwehr der Gastgeber. Wenn sich Weißflog nicht in hervorragender Verfassung präsentiert hätte, wäre der Rückstand bereits in dieser Phase deutlicher gewesen. Protassow, immer wieder Protassow - er war kaum zu stellen. Erst einmal am Ball, behauptete er diesen auch in der schnellsten Bewegung, und sein Solo über den gesamten Platz (17.), bei dem er gleich drei Gegner umspielte, letztlich aber an Weißflog scheiterte, rief fairen Beifall im Wismut-Lager hervor. Nur mit der Chancenverwertung haperte es zu Aues Glück bei den Gästen (Protassow 3./32./ 36., Taran 5./25.).
Wismut verbuchte zwar die erste Möglichkeit (Escher verfehlte bereits nach 30 Sekunden mit einem Fernschuß nur knapp das Gehäuse), spielte aber zu langsam und umständlich. "Neben taktischen Fehlern in der Abwehr fällt vor allem auf, daß aus dem Mittelfeld zu wenig Impulse kommen", monierte Harald Irmscher, Assistenztrainer der Nationalmannschaft, bei Halbzeit. Chancen entsprangen in der Tat nur nach Standardsituationen. Einmal rettete Baschkirow auf der Linie (20.). Schmidt zögerte zu lange (24.), und Bauer verfehlte (nachdem Mothes nicht ganz sauber behindert wurde) aus Nahdistanz (26.). "Schade, daß uns in dieser Periode kein Treffer gelang", ärgerte sich später Harald Mothes, Aues bester Feldspieler an diesem Tag. "Dneprs Deckung war im Zentrum nämlich nicht immer sicher."
Als ob es erst des zweiten Gegentreffers (wie aus dem Lehrbuch) bedurft hätte. Plötzlich ergriffen die "Veilchen" die Initiative, setzten die Gäste unter Druck. Und nun ergaben sich auch zwingende Chancen. Aber weder Escher (55.), Mothes (62., Außenpfosten) noch Krauß (68.) brachten den Ball im Gehäuse von Krakowskij unter. Ein wenig Glück fehlte dabei vielleicht auch. Erst dem aufgerückten Libero Schmidt gelang nach Eschers Freistoß der Anschlußtreffer.
Doch noch ehe sich die Platzherren zu einem Schlußspurt aufraffen konnten, brachte erneut ein "primitiver Fehler" (Assistenztrainer Konrad Schaller) den Rückschlag. Kusnezow schaltete sich in ein Fehlabspiel ein und stellte den alten Abstand wieder her. "Trotzdem gibt uns diese Leistungssteigerung Mut für das Rückspiel, denn achtbar aus der Affäre ziehen wollen wir uns allemal", warf Mittelstürmer Harald Mothes noch einen Blick voraus. Wer allerdings Dnepr im Lößnitztal aufspielen sah, weiß, wie schwer selbst das werden wird. Sascha Stolz, Deutsches Sportecho, 20.September 1985
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