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1979/80 Wismut Aue ohne Abstiegssorgen durch die Saison

Sie standen noch Minuten nach dem Schlußpfiff diskutierend auf den Rängen und schienen es beim besten Willen nicht fassen zu können: Ausgerechnet hier im Lößnitztal, wo Wismut in den vergangen Spielen wahrlich keine Bäume ausgerissen hatte, mußte der bis dahin souveräne Oberliga-Spitzenreiter Dynamo Dresden die erste Niederlage der Saison einstecken. Die Gäste aus dem Elbflorenz waren in den sieben Oberliga-Punktspielen vorher ohne einen einzigen Punktverlust geblieben. Sieben Siege bei 21-2 Toren. Dazu kamen noch zwei Erfolge im UEFA-Pokal in der 1. Runde gegen Atlético Madrid dazu, sowie der erwartete Sieg im FDGB-Pokal bei Motor Werdau. Einzig Vizemeister VfB Stuttgart aus der westdeutschen Bundesliga schaffte ein Remis (1-1) gegen Dynamo im Hinspiel der 2. Runde im UEFA-Pokal. Drei Tage, nach diesem Europapokalspiel gegen Stuttgart, gab es dann am 27. Oktober 1979 in der 8. Oberliga-Runde diesen kaum für möglich gehaltenen Paukenschlag. Mit 2-1 Toren schlugen die Wismut Fußballer Dynamo Dresden. „Ähnlichen Beifall wie heute erlebte ich lange nicht. Wir haben uns, wie schon in den letzten Jahren, an einem starken Kontrahenten endlich wieder einmal selbst bestätigen können.“ So wie Aues Kapitän Wolfgang Höll empfanden es sicherlich auch die anderen Akteure der Siegerelf, als sie total abgekämpft, aber mit freudestrahlenden Gesichtern in die Kabine marschierten.

Dabei war nur eine Woche zuvor das Maß voll für Aues Trainer Manfred Fuchs. Seine Mannschaft schied, wie schon in den vier Jahren zuvor, gleich wieder beim ersten FDGB-Pokal Auftritt aus. Diesmal beim Ligaspitzenreiter (Staffel C) Chemie Böhlen mit 4-5 n.V., obwohl man an der Jahnbaude gleich dreimal! mit zwei Toren Vorsprung führte. Die Veilchen die diesmal unbedingt das

1. FCM vs. Aue August 1979

Achtelfinale erreichen wollten, enttäuschten doch arg und waren am Ende mit dem knappen Ergebnis noch gut bedient. 22:8 Ecken für den Gastgeber drückten das Kräfteverhältnis viel deutlicher aus. So mußte erst eine deutliche Standpauke vom Trainer das Team wachrütteln: „Besinnt sich die Mannschaft nicht endlich wieder ihrer kämpferischen und spielerischen Substanz, dann geht sie einen unerhört schweren Weg.“ Alle beherzigten diese eindringlichen Worte – von Torwart Ebert bis hin zum quicklebendigen Flügelstürmer Stein, der entscheidend am Siegestreffer durch Rechtsverteidiger Seinig beteiligt war. Die Veilchen kämpften von der ersten Minute an respektlos und mit jener bemerkenswerten Forsche, die der Spitzenreiter Dynamo Dresden an diesem Tag einfach nicht verkraftete.

Aue war in den letzten Jahren für Startmiseren bekannt, ja sie blieben beim Saisonbeginn regelrecht in den Startlöchern sitzen. 1976/77 nur 4:12 Punkte, der erste Sieg glückte erst am 9. Spieltag. 1977/78 waren es 1:7 Punkte ehe am 5. Spieltag mit einem 4:2 Sieg gegen Lok Leipzig der erste Sieg gelang. Und 1978/79 gab es nach 1:15 Punkten erst im Oktober mit einem 2-1 Heimsieg gegen Union den ersten Saisonsieg. Die danach folgenden Balancekünste am Rande des

Aue vs. Dresden 2-1 im Oktober 1979.

Abgrundes sollten sich auch in der 28. Oberligasaison nicht wiederholen. "Viermal darf uns das nicht passieren, diesmal wollen wir sofort hellwach sein," erklärte Holger Erler der sich als Regisseur weiter profilierte. Neben Harald Mothes war er mit ebenfalls 6 Saisontoren Aues bester Torschütze in dieser Saison in der Wismut nie auf einen Abstiegsplatz stand. Man pendelte im Prinzip auf den Plätzen 8 (9x), 9 (2x), 10 (6x), 11 (6x) und 12 (3x) und holte sich die nötigen Punkte im heimischen Otto-Grotewohl-Stadion. Auswärts dagegen gab es mit nur 3 Punkten die drittschlechteste Bilanz. Nur der FC Karl-Marx-Stadt und Sachsenring Zwickau waren mit je 2 Punkten noch schlechter.

Zwei gleichgeartete Halbserien mit jeweils 10:16 Punkten bedeuteten am Ende der Saison einen 9. Platz in der Abschlußtabelle. Im Zuschauerranking platzierte man sich mit 9.500 Zuschauern im Durchschnitt vor dem FCK, Jena, Zwickau, Riesa und Frankfurt/Oder. Erfreulich war aus Auer

Fuwo-Punktwertung

Sicht der Gewinn der Fuwo-Punktwertung für ihren starken Schlußmann Ulrich „Uli“ Ebert (* 6. Mai 1948; † 22. November 2005). Mit 167 Punkten holte er sich den Ersten Platz. Ebert stand in allen 26 Punktspielen im Auer Tor. Das Fuwo-Benotungssystem wurde erstmals von der Neuen Fußballwoche zur Saison 1962/63 eingeführt. Für jeden Spieler gab es in den wöchentlichen Oberliga-Spielen eine Bewertung von 0 (ungenügend) bis 5 (sehr gut). Ab 1967/68 dann eine Benotung von 0 (niedrigster Wert) bis 10 (höchster Wert). In der Saison 1964/65 gewann Aues Keeper Klaus Thiele ebenfalls die Fuwo-Punktwertung, allerdings punktgleich mit Gerhard Körner (Vorwärts Berlin) und Kurt Liebrecht (Lok Stendal).

Die Zeitschrift Die Neue Fußballwoche, abgekürzt als fuwo bezeichnet, war eine wöchentlich erscheinende Fachzeitschrift in der DDR. Neben dem Deutschen Sportecho war sie die auflagenstärkste Sportzeitung. Sie wurde erstmals am 11. Oktober 1949 herausgegeben. Die Neue Fußballwoche erschien zu einem Preis von 50 Pfennig jeden Dienstag und war in Ost-Berlin bereits Montagnachmittag erhältlich. (Burg)


Aue in den 1980er Jahren - Histo Special
Geschrieben von Burg am 03.05.2020, 12:39   (242x gelesen)