Spielberichte
Sachsenpokal Finale, 16.05.1998
Chemnitzer FC vs. FC Erzgebirge Aue 5-4 n.E.

5

n. E.

4

Stadion an der Gellertstraße Chemnitz, Sonnabend 16. Mai 1998
(Kick off 14:00 Uhr)


Ervin Skela die tragische Figur


Dramatik pur beim sächsischen Pokalfinale - Chemnitzer FC gewinnt gegen Aue 5:4 nach Elfmeterschießen


CFC-Stürmer Mirko Ullmann (vorn) lieferte sich mit dem Auer Jörg Palke viele packende Zweikämpfe. Foto: Karl Wagner
Nach 57 Minuten konnte er sich aus einem Freuden- knäuel von Auer Spielern kaum befreien, nach dem Elfmeterschießen mußten ihn seine Mitspieler noch lange trösten: Ervin Skela, der 22jährige Albaner in den Diensten des FC Erzgebirge Aue, war am Sonnabend im Chemnitzer Stadion an der Gellertstraße die tragische Figur des an Dramatik kaum zu überbietenden sächsischen Fußball-Pokalfinales gegen den Chemnitzer FC, das nach Elfmeterschießen mit 5:4 für die Himmelblauen endete. In der 57. Minute hatte Skela seine Mannschaft mit einem raffinierten und unhaltbaren Drehschuß aus 20 Meter Entfernung in Führung gebracht. Der kleine Albaner war es auch, der bei den Erzgebirgern die meisten Akzente setze, im Mittelfeld klug Regie führte und seine Mitspieler immer wieder in Schußpositionen brachte. Als vierten Elfmeterschützen versagten ihn aber dann die Nerven. CFC-Torhüter Steffen Süßner hielt, die Chemnitzer jubelten und Skela hätte in den Boden versinken können. Ein auf Grund der Niederlage enttäuschter Auer Trainer Lutz Lindemann nahm dennoch seinen Regisseur in Schutz: "Ervin Skela war unser bester Mann, er hat ein riesiges Spiel gemacht." Die Chemnitzer hatten keinen in ihren Reihen, der an diesem Tag das spielerische Niveau eines Skela erreichte, doch sie hatten Kämpfernaturen auf dem Platz, die schließlich die Partie noch zu ihren Gunsten umbogen. Einer davon war Jörg Schmidt. Nach einem Foul hatte er sich schon frühzeitig eine Oberschenkelverletzung zugezogen, biß aber die Zähne zusammen, ließ sich nicht auswechseln und erzielte per Kopfball den 1:1-Ausgleich (65.). Ein anderer war Kapitän Torsten Bittermann, dessen Einsatz sich wegen einer Oberschenkelverletzung erst kurz vor dem Spiel entschied. Der 30jährige begann in der Abwehr, rückte nach Schmidts Ausscheiden ins Mittelfeld und agierte in der Verlängerung sogar im Angriff. "Torsten hatte große Probleme, deshalb sollte er nur versuchen, möglichst dem gegnerischen Libero in Schach zu halten", begründete Trainer Christoph Franke die Maßnahme. Bittermann und der sich ebenfalls mit Muskelkrämpfen plagende Lutz Wienhold hätten bereits zwei Minuten vor Ende der Verlängerung alles klar machen können. Doch die Eingabe des Kapitäns erreichte Wienhold nicht. "Auch wenn sie angekommen wäre, ich war so fertig, ich hätte den Ball vielleicht trotzdem nicht ins Tor gebracht" erinnerte sich später in der Kabine ein freude trunkener CFC-Libero an dies Szene. Einige Minuten später hatte sich Wienhold aber wieder erholt und traf ebenso wie Bittermann, Laudeley und Jendrossek beim Elfmeterschießen ins Tor. Während die Chemnitzer Spieler von ihren Fans, die anschließend den Rasen stürmten, frenetisch gefeiert wurden, standen die Auer Spieler immer noch tief enttäuscht auf dem Platz. Über weite Strecken waren sie in diesem Pokalfinale sogar die bessere Mannschaft, waren in Führung gegangen und standen dann aber doch nur mit leeren Händen da. Trainer Lutz Lindeman fand dafür die richtigen Worte. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, in der Spieler standen, die vor drei Wochen noch auf Schlacke in der Bezirksliga gespielt haben. Wir verlassen als moralischer Sieger den Platz" , meinte Lindemann. Für Ervin Skela, die tragische Figur, und für die Auer Fans dürfte das nur ein schwacher Trost gewesen sein. Stefan Geyler, Freie Presse, 18.05.1998


Chemnitzer FC: Steffen Süßner - Torsten Bittermann, Thomas Laudeley, Lutz Wienhold - Sven Köhler, Jens König, Alexander Tetzner, Hendrik Liebers (114. René Krasselt) - Jörg Schmidt (70. Kay-Uwe Jendrossek), Mirko Ullmann (104. Holger Lischke), Danilo Kunze; Trainer: Christoph Franke

FC Erzgebirge Aue: Sven Beuckert - Holger Hasse, Enrico Barth, Jörg Palke - Frank Seinig (80. Rico Reinold), Udo Tautenhahn, Carsten Romanowsky, Ronny Thielemann, Ervin Skela - Mike Sadlo (64. Sven Kubis), Gentian Stojko (104. Uwe Vogel); Trainer: Lutz Lindemann

Tore: 0:1 Ervin Skela (57.); 1:1 Jörg Schmidt (65.)

Elfmeterschießen: Ronny Thielemann vergibt (gehalten); 1:0 Torsten Bittermann; 1:1 Uwe Vogel; 2:1 Lutz Wienhold; 2:2 Holger Hasse; 3:2 Thomas Laudeley; 3:3 Rico Reinold; 4:3 Kay-Uwe Jendrossek; Ervin Skela vergibt (gehalten)

Schiedsrichter: Peter Müller (Dresden)

Zuschauer: 7300

Gelbe Karte: Lutz Wienhold, Jörg Schmidt / Jörg Palke, Ronny Thielemann, Gentian Stojko

Rote Karte: - / Udo Tautenhahn (80.)