Spielberichte
19. Spieltag, 28.01.2006
FC Erzgebirge Aue vs. Wacker Burghausen 1-1

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Erzgebirgsstadion Aue, Sonnabend 28. Januar 2006
(Kick off 13.00 Uhr)


Spätes Eigentor beruhigt die Gemüter


FC Erzgebirge kommt nach schwachem Auftritt mit blauem Auge davon - Emmerich sieht Rot

Das passte irgendwie in diesen nicht alltäglichen Fußball-Nachmittag. Als Vukovic mit seinem Eigentor dem FC Erzgebirge beim 1:1 (0:0) gegen Wacker Burghausen zwei Minuten vor Abpfiff wenigstens noch einen Zähler gerettet hatte und sich die Gemüter nach einer hektischen zweiten Halbzeit wieder beruhigten, brannten bei Jörg Emmerich die Sicherungen durch. Kazior behinderte Aues Kapitän beim Ausführen eines Freistoßes. Wie von der Tarantel gestochen rannte der 31jährige auf den Gästespieler zu und stieß ihn zu Boden. Die Rote Karte fur Emmerich war die logische Konsequenz und der Schlusspunkt unter einer Partie, die Trainer Gerd Schädlich noch einige Tage beschäftigen dürfte.

Nicht nur, dass ihm mit Emmerich der Abwehrchef und Kopf der Mannschaft in mindestens zwei Punktspielen fehlen wird. Auch die Einstellung einzelner Kicker sollte den 53-Jährigen zu Konsequenzen zwingen. Was Florian Heller zum Beispiel anbot, war fast schon Arbeitsverweigerung. Dennoch durfte sich der Ex-Fürther bis zur 71. Minute auf der rechten Außenbahn verstecken. Andrzej Juskowiak blieb im Angriff erneut blass, auch wenn der behäbige Pole mit Direktpässen auf Ersin Demir zwei verheißungsvolle Chancen einleitete, die der Deutsch-Türke vergab. Stattdessen erhitzen sich die Gemüter der Einheimischen an der Szene in der 47. Minute. "Ich weiß nur, dass es plötzlich schwarz vor meinen Augen war", sagte Abwehrrecke Tomasz Kos, der nach einem Kopfstoß von Bogavac zu Boden ging und liegen blieb. Schiedsrichter Weiner ließ die Partie weiterlaufen. Dass die Gäste den Ball nicht über die Seitenlinie spielten, sondern durch Krejci zur Führung nutzten, verärgerte die Erzgebirger. "Normalerweise haut man den Ball ins Aus, wenn ein Mann verletzt am Boden liegt. So etwas gehört sich einfach nicht. Das war keine faire Aktion", befand Schädlich.

Auch Angreifer Sebastian Helbig, der unmittelbar nach dem 0:1 auf das Spielfeld rannte, wütend protestierte und aus diesem Grund noch vor seiner Einwechslung seine fünfte Gelbe Karte sah, schimpfte: "Das war grob unsportlich." Zwei auf Seiten der Auer beurteilten diese Aktion anders: Christian Lenz und Präsident Uwe Leonhardt. "Ob fair oder unfair, sei dahingestellt. Burghausen hat das clever gemacht. Wir hätten als Auswärtsmannschaft vielleicht genauso agiert" gestand Lenze ehrlich. Und Leonhardt wertete richtig: "Wir müssen den Fehler in erster Linie bei uns suchen. Man hätte den Torschützen auch decken können."

Am Ende kamen die nach dem Rückstand völlig verunsicherten und ideenlosen Gastgeber mit einem blauen Auge davon. Das beim späten Ausgleich erneut kein Auer traf, spiegelte die Misere einmal mehr wider. Der FCE agierte im Spielaufbau und in Strafraumnähe zu umständlich und blieb gegen die kompakten und taktisch hervorrgend eingestellten Gäste wirkunglos. Schüsse aus der zweiten Reihe? Fehlanzeige. Daran konnte auch Neuzugang Lenze, der im offensiven Mittelfeld zwar bemüht war und mit seinem Schuss an den rechten Innenpfosten das 1:1 einleitete, nur wenig ändern. "Wir haben uns vor der Pause einige Chancen erarbeitet. Diese wurden nicht konsequent genug genutzt. Am Ende müssen wir froh sein, wenigstens noch einen Punkt gerettet zu haben", analysierte Lenze. Schädlich ergänzte: "Aus seinen drei Möglichkeiten muss Demir wenigstens ein Tor machen. Dann läuft das Spiel ganz anders."

Aues Trainer schickte am Samstag wieder alle sechs Angreifer auf den Rasen. Genutzt hat es wenig. Vielleicht bringt der Ausfall von Emmerich im nachhinein etwas Gutes mit sich. Schädlich wird zum Umstellen gezwungen sein und kann im bevorstehenden Heimspiel gegen den SC Freiburg vielleicht auch am taktischen 3-4-3-System etwas ändern. Bekanntlich ist weniger manchmal mehr. Wenn auf Dauer sechs Stürmer nicht treffen, dann reichen vielleicht auch nur zwei Angreifer in der Anfangself. Olaf Mersiovsky, Freie Presse, 30.01.2006


Aue: Bobel - Kos, Emmerich, Trehkopf - Heller (72. Siradze), Lenze, Günther, Liebers - Klinka (57. Curri), Juskowiak, Demir (57. Helbig)

Burghausen: Gospodarek - Wiesinger, Vukovic, Herzig, Drescher - Kneissl (72. Oslislo), Hertl, Rosin, Kazior - Bogavac, Krejci (80. Burkhardt)

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Zuschauer: 9.300

Tore: 0:1 Krejci (47.), 1:1 Vukovic (88./Eigentor)

Karten: Heller - Hertl, Vukovic, Kazior
Emmerich (89./Tätlichkeit)