Spielberichte
Sachsenpokal 1. Runde, 04.09.1999
1. FC Rodewisch vs. FC Erzgebirge Aue 0-2

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Stadion der Jugend Rodewisch, Sonnabend 04. September 1999
(Kick off 15:00 Uhr)


Müde Veilchen erfüllen ihre Pflicht: glanzloser Sieg


Der eingewechselte Steffen Binke (Mitte) schloss kurz nach dem Seitenwechsel ein Solo zum 2:0 für den FC Erzgebirge Aue ab. Foto: Joachim Thoß

„Ohne Aue wär' hier gar nix los!" skandierten die Fans das FC Erzgebirge, die am Sonnabend mit ihren munter-frechen Sprechchören Leben ins Rodewischer Stadion der Jugend brachten. Doch was Aue in diesem Landespokalspiel bei herrlichem Spätsommerwetter vor gut 800 Zuschauern bot, war keine Ruhmestat. Zwar gewann der Favorit aus der Regionalliga pflichtgemäß mit 2:0, doch Trainer Gerd Schädlich hatte sich sein „Heimspiel" — bis zu seinem 16. Lebensjahr kickte er für Rodewisch — sicher anders vorgestellt. Seine Elf machte zu wenig Tempo, wirkte in Strafraumnähe bisweilen ideenlos und ließ etliche Chancen aus. Der Biss fehlte, nicht umsonst kam Referee Haustein ganz ohne Karten aus. Die vom Ex-Auer Hans-Jürgen Thomas trainierten Rodewischer erkämpften sich nach der Pause sogar gleiche Spielanteile. Nur im Abschluß klebte ihnen das Pech an den Stiefeln. Der 1. FC Rodewisch zog sich anfangs weit zurück, wollte den Veilchen nicht ins Messer laufen. In der fünften Minute hatten die Vogtländer Glück: Göschel rettete bei einer Kopfballverlängerung von Pagels auf der Torlinie. In der zehnten Minute die erste gute Aktion für Rodewisch: Möckel setzte sich im Mittelfeld durch und brachte das Leder zu Böttger, dessen Kopfball Beuckert im FCE-Gehäuse aber zur Ecke klärte. In der 13. Minute die Auer Großchance zur Führung: Tomoski trat einen Freistoß von halbrechts in den Strafraum, wo Kramer blitzschnell schaltete. Doch sein Schuß klatschte an die Querklatte. In der 21. Minute setzte sich Marian Pagels im Alleingang gegen zwei Rodewischer durch, doch Torwart Frister parierte seinen Flachschuß. Vier Minuten später war aber die Führung für die Veilchen fällig. Nach einem Freistoß von Borislav Tomoski bekamen die Rodewischer das Leder nicht aus der Gefahrenzone. Zweigler setzte sich rechts Außen durch und flankte nach innen, wo Radek Sionko zur Stelle war. „Spielstand: Rodewisch Null, Aue Eins. Danke. Bitte", freuten sich die Auer Fans. Bis zum Halbzeitpfiff tat sich dann nicht mehr viel. Rodewisch inszenierte Konter und kam in der 36. und 44. Minute immerhin zu zwei Eckbällen. Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag: Der eingewechselte Steffen Binke startete in der 47. Minute im Mittelfeld ein Solo und schloss das mit einem trockenen Schuß halbhoch ins rechte Eck zum 2:0 für Aue ab. Die Spielstand-Ansage der Fans blieb diesmal aus; man schickte gerade Zwickau verbal in die vierte Liga. Tomoski tanzte in der 59. Minute durch den Rodewischer Strafraum, schoss aber aus Nahdistanz über den Kasten. Rodewisch steckte jedoch nie auf und erkämpfte mehr und mehr Spielanteile. Kempe fand zweimal (56./72.) in Beuckert seinen Meister. In der 69. Minute die Riesenchance zum Anschlußtreffer, doch Göschels Distanzschuß knallte an die Querlatte des Auer Gehäuses. Vier Minuten vor Schluss flankte Kempe von rechts in den Strafraum, wo Böttger mit einem tollen Fallrückzieher das Leder haarscharf übers Tor jagte. Somit blieb es beim verdienten, alles in allem aber glanzlosen 2:0 für die Gäste. Bei all dem überwog die Freundschaftlichkeit bei diesem Pokalkampf. So konnte man die Vereinsmanager Lutz Lindemann und Roland Krause vor dem Spiel beim Fachsimpeln entdecken. Und nach der Partie lud Gerd Schädlich seinen Trainer-Kollegen Hans-Jürgen Thomas auf ein Bier ein. gb, Freie Presse, 06.09.1999

Stimmen
Gerd Schädlich, Trainer beim FC Erzgebirge Aue: „Wir haben uns nicht mit Ruhm bekleckert. Viele Spieler taten nur das Notwendigste. Unseren Zuschauern müssen wir aber Besseres zeigen. Mehr Tempo, Feuer und Durchsetzungsvermögen sind nötig. Wir mussten fünf Stammspieler ersetzen, doch die aufgerückten Spieler aus der zweiten Reihe haben sich mit ihrer Leistung nicht für künftige Einsätze empfohlen. Hätte Rodewisch schon in der ersten Halbzeit so munter gespielt wie nach der Pause, hätten wir noch Probleme bekommen können."
Hans-Jürgen Thomas, Trainer des 1. FC Rodewisch: „Wir haben bei der sommerlichen Hitze im Stadion eine ordentliche Partie geboten. Speziell in der zweiten Halbzeit erreichten wir ein ausgeglichenes Spiel, ein Klassenunterschied war da nicht zu erkennen. Der Sieg für Aue geht — gemessen an den Chancen — in Ordnung, auch wenn beide Tore aus Fehlern unserer Elf resultierten."
Lutz Lindemann, Manager des FC Erzgebirge Aue: „Mein erster Kommentar? — Schönes Wetter. Ein Spiel in freundschaftlicher Atmosphäre. Ein leichter Sieg für uns, ohne dass wir Bäume ausgerissen haben. Aber mit Babelsberg am Dienstag und Jena am Sonnabend wartet in der Regionalliga eine schwere englische Woche auf uns. Das hatten die Spieler wohl im Hinterkopf."


Aue: Beuckert, Schmidt, Heidler (46. Kretschmer), Sionko, Kramer, Hasse, Tomoski, Nowacki (ab 69. Leonhardt), Lakhmay (ab 46. Binke), Pagels, Zweigler

Tore: 0:1 Radek Sionko (25.); 0:2 Steffen Binke (47.)

Schiedsrichter: Wolfgang Haustein (Elterlein)

Zuschauer: 804