Saisonstatistiken des FC Erzgebirge Aue

2. Fußball-Bundesliga 2019/20

Spielbericht

16. Spieltag - Samstag, 07.12.2019 - 13:00

Hannover 96 - FC Erzgebirge Aue 3:2 (1:1)


Hannover 96: Ron-Robert Zieler - Julian Korb, Josip Elez, Waldemar Anton, Miiko Albornoz - Marvin Bakalorz, Genki Haraguchi - Linton Maina (90+4. Matthias Ostrzolek), Florent Muslija (59. Marc Stendera), Emil Hansson (65. Marvin Ducksch) - Hendrik Weydandt; Trainer: Kenan Kocak

Kader: Michael Esser, Jannes Horn, Niklas Tarnat, Edgar Prib, Dennis Aogo, Sebastian Soto

FC Erzgebirge Aue: Martin Männel - John-Patrick Strauß, Sören Gonther, Dennis Kempe (8. Louis Samson), Calogero Rizzuto - Clemens Fandrich, Philipp Riese - Florian Krüger, Dimitrij Nazarov (85. Malcolm Cacutalua), Jan Hochscheidt (80. Tom Baumgart) - Christoph Daferner; Trainer: Dirk Schuster

Kader: Robert Jendrusch, Dominik Wydra, Nicolas Sessa, Hikmet Ciftci, Pascal Testroet, Philipp Zulechner

Tore: 0:1 John-Patrick Strauß (16. / Clemens Fandrich); 1:1 Marvin Bakalorz (32.); 1:2 Marvin Bakalorz (Eigentor, 49. / Philipp Riese); 2:2 Hendrik Weydandt (75.); 3:2 Genki Haraguchi (90.)

Schiedsrichter: Michael Bacher (Amerang-Kirchensur)

Zuschauer: 26200 (davon ca. 1.350 Auer Fans)

Gelbe Karte: Marc Stendera, Waldemar Anton / Florian Krüger, Philipp Riese (6.), Sören Gonther (4.)

Aue verliert unglücklich in Hannover

Der FC Erzgebirge Aue hat eine bittere 2-3 Niederlage in Hannover kassiert. Das Siegtor fiel in der 90. Spielminute. Gegen den gefühlten Erstligisten (30 Spielzeiten im Oberhaus), standen die Veilchen am Ende, trotz zweier Führungen durch Strauß (16.) und einem Eigentor von Bakalorz (49.), mit leeren Händen da. In der zweiten Hälfte sorgte Aue zu selten für Entlastung, auch ein starker Schlußmann Männel war in einer einseitigen Schlussphase am Ende machtlos. Hannover feierte damit den ersten Heimsieg der Saison. Aues Trainer war sichtlich angefressen in der anschließenden Pressekonferenz: "Ich ärgere mich massiv, dass wir dieses Spiel verloren haben, es nicht geschafft haben, Weydandt zu verteidigen. Und über den Freistoß vorm 2-2 sowie die letzte Situation im Spiel, wo ein Spieler von uns auf dem Weg zum Tor weggecheckt wird. Deswegen möchte ich gar nichts weiter sagen, weil ich mich sonst um Kopf und Kragen quatsche." Schuster stieß sich an einem rustikalen Körpereinsatz im 96-Strafraum von Anton gegen Baumgart in der fünften Minute der Nachspielzeit, den Schiri Michael Bacher nicht ahndete.

Aue-Coach Schuster wechselte gleich fünfmal: Hochscheidt, Fandrich und Riese kehrten nach ihren Sperren wie erwartet ins Mittelfeld zurück. Für Mihojevic (Gelb-Rot) rückte überraschend Strauß neu in die Viererkette. Daferner ersetzte Testroet. Die zu Hause noch sieglosen Gastgeber kamen etwas besser in die Partie und investierten in der Anfangsphase mehr. Schon in der 5. Minute rettet Kempe im letzten Moment gegen Bakalorz. Eine Minute später wurde die neu formierte Abwehrreihe bereits früh gesprengt, denn es kam zu einem bösen Zusammenprall zwischen Kempe und Weydandt. Beide Akteure blieben benommen liegen. Während es für den Hannoveraner nach längerer Behandlungspause weiterging, musste Kempe runter. Samson kam dafür in die Partie (8.).

Die Gäste spielten jedoch gefällig ohne Hektik nach vorn. Rizzuto (10.) und Nazarov (15.) probierten es mal aus der Distanz – ohne Erfolg. Dann geht Aues “Neuer“ Strauß gut 50 Meter über den Platz, ohne dass ein Hannoveraner ihn angreift. Vor dem gegnerischen Strafraum hat er zwei Gegenspieler vor sich, sodass der Weg für eine Flanke versperrt ist. Er chipt das Leder aus rund 25 Metern ganz frech aufs Tor und darf mit ansehen, wie sich der Ball unhaltbar über Zieler hinweg in den linken Winkel senkt. 96-Torwart Zieler stand zu weit vor seinem Kasten und konnte den Ball nur hinterherschauen. „Den wollte ich schon so machen“, verrät der 23-jährige deutsch-philippiner nach dem Spiel. Es war somit das erste Tor überhaupt für ihn im Auer Trikot, in seinem 25. Pflichtspieleinsatz für die Veilchen. Die Hausherren hatten zwar anschließend mehr vom Spiel, wussten gegen defensiv sehr kompakt stehende Gäste allerdings nichts mit dem Ballbesitz anzufangen. Und so half ein Standard zum Ausgleich: Albornoz' Ecke landete bei Bakalorz, der sich jedoch grenzwertig auf Hochscheidt und Gonther aufstützte und aus wenigen Metern einnickte (32.). Das Tor tat den Niedersachsen gut, Hansson (35./38), und Weydandt (39./45.+1) vergaben Gelegenheiten zur Führung. Somit ging es mit dem Remis in die Kabinen.

Der zweite Durchgang begann wieder mit einem Paukenschlag für die Gäste: Nachdem Daferners Kopfball noch über das Tor gegangen war (47.), verlängerte 96-Kapitän Bakalorz in der 49. Minute einen scharfen Riese-Freistoß über Zieler hinweg ins eigene Tor. Es dauerte einige Minuten, bis die Niedersachsen den erneuten Rückschlag verdauten. Aber dann investierte Hannover wieder mehr, Weydandts Volley-Versuch ging knapp links vorbei (68.) und Elez' Schuss klärte Nazarov kurz vor der Linie (73.). Aber in der 75. Minute war es soweit und die Gastgeber glichen erneut aus: Der eingewechselte Ducksch fand mit seinem Freistoß Weydandt, der an der Fünfmeter-Raumkante in der Luft stand und wuchtig zum erneuten Ausgleich gegen die Laufrichtung von Männel einköpfte. Der Freistoß der zum Tor führte war aus Sicht der Gäste sehr umstritten. Riese soll mit einem Tritt Stendera getroffen haben, obwohl der Ball ganz woanders war. Aues Riese kassierte Gelb und tobte. 96 wollte nun mehr und spielte voll auf Sieg: Weydandts Abschluss mit der Hacke entschärfte Männel (82.) mit einem Klasse-Fußreflex. Der Dauerdruck nahm von Minute zu Minute zu. Entlastung für Aue – Fehlanzeige. Ecke und Ecke segelte in den Auer Strafraum. Am Ende waren es 14. Schuster wechselte Baumgart und Cacutalua ein. Rizzuto blockte einen Schuß von Maina (87.) ab und bei einem Freistoß-Schlenzer von Ducksch aufs kurze Eck war Männel auf dem Posten (89.). Doch es sollte nicht reichen, weil die Hausherren nicht nachließen. Einen weiter Schlag aus der eigenen Hälfte von Elez landete bei Weydandt der sich im Kopfballduell gegen Samson durchsetzte. Der Ball flog zum japanischen Nationalspieler Haraguchi, der den Ball zwischen Gonther und Rizzuto mit der Brust mitnahm und zum umjubelten Siegtor (90.) traf. In der angezeigten dreiminütigen Nachspielzeit eilte Aues Schlußmann bei einem Riese-Freistoß (90. +2) mit nach vorn und blieb auch bei der anschließenden Ecke gleich im gegnerischen Strafraum stehen. Baumgart jagte aber einen abgewehrten Ball hoch über den Kasten und wurde dann wenig später im Strafraum von Anton weggescheckt (90. +5). Hannover holte im achten Heimspiel der Saison den ersten Dreier. (Burg)

Trainerstimmen

Dirk Schuster (Aue): "Glückwunsch an Hannover. Wir haben ein sehr ordentliches Auswärtsspiel gemacht, hatten aber Schwierigkeiten bei Standardsituationen. Wir sind gegen ein Team, das mit Bundesligaprofis gespickt ist, zweimal in Führung gegangen und fahren jetzt aber mit leeren Händen nach Hause. Es sollte nicht sein, dass wir heute etwas mitnehmen, was nicht nur dem Gegner geschuldet war. Ich ärgere mich massiv, dass wir dieses Spiel verloren haben."

Kenan Kocak (Hannover): "Das Spiel hat für uns nicht gut angefangen. Wir haben wenig Zugriff gehabt. Das hatten wir uns anders vorgenommen. Dann sind wir durch eine Bogenlampe in Rückstand geraten, was nicht förderlich für die mentale Unterstützung ist. Dann kommen wir zurück und gleichen aus. Wir waren fortan besser im Spiel. Die zweite Halbzeit fängt wieder nicht gut an. Danach hat die Mannschaft eine tolle Moral gezeigt. Jeder hat gemerkt, dass wir das Spiel gewinnen wollten. Ich freue mich ungemein für den Verein, die Fans und Verantwortlichen, dass wir heute den ersten Heimsieg einfahren konnten. Ich bin auch froh, dass ich Dirk wiedergesehen habe, weil ich ihn als Mensch und Trainer sehr mag. Ich wünsche ihm und Aue alles Gute."