Die Geschichte des Auer Stadions.
In den zwanziger Jahren beklagten die Auer Bürger wiederholt den Mangel an öffentlichen Sport- und Spielstätten. So war der Bau eines neuen Stadions eine längst überfällige Aufgabe. Dazu bot sich die Liegenschaft hinter dem Zeller Berg am Ortsausgang nach Lößnitz wegen der landschaftlich schönen Stadtrandlage gerade an. Es war zur damaligen Zeit ein besonderes Ereignis, als am 27. Mai 1928 das 29.000 Quadratmeter große "Städtische Stadion" mit 400 m und 100 m – Laufbahn sowie einem besonderen Übungsplatz und zwei Tennisplätzen seiner Bestimmung übergeben wurde. Die Einweihungsfeierlichkeiten sahen alle der Körperbildung dienenden Vereine in friedlichem Wettstreit. Auch das günstige Wetter trug zum Gelingen des Festes bei und zog an diesem Tag 7.230 Zuschauer an. Die Arena war damals nicht Heimstatt eines bestimmten Vereins, hier fanden herausragende Spiele und Wettkämpfe in unterschiedlichen Sportarten statt.
Nach dem 2. Weltkrieg lockte die SDAG Wismut (Sowjetisch Deutsche Aktiengesellschaft) Tausende wie zu einer Wallfahrt herbei. Deutsche Bergleute begannen unter sowjetischer Hoheit in Schächte und Stollen einzufahren um Uranerz zu gewinnen. Die Folgen dieser "Reparationsmaßnahmen" sind allgemein bekannt und prägten die ganze Region in und um Aue. Die Einwohnerzahl stieg von 25.000 auf über 35.000 an. Die Durchführung von Fußballspielen war zur damaligen Zeit im Städtischen Stadion mit Schwierigkeiten verbunden. Einheiten der Roten Armee nutzten den Platz zur Ausbildung und zu Wettkämpfen. Freundschaftsspiele waren unregelmäßig und eher zufällig. Zudem waren die materiellen Bedingungen denkbar schlecht. Diese Anfänge führten 1946 zur Gründung der Sportgemeinschaft Aue aus der dann 1948 die BSG Pneumatik Aue hervorging. Trägerbetrieb wurde ab 1949 die SDAG Wismut, die sich zum größten Betrieb des Erzgebirges entwickelt hatte.
1950 folgte dann ein weiterer Namenswechsel in BSG Zentra Wismut Aue. Jahr für Jahr rückte man eine Spielklasse höher und lockte immer mehr Zuschauer an. Das Städtische Stadion wurde langsam zu klein. Mit Hilfe der Genossen der SED Gebietsleistung Wismut, der sowjetischen Genossen und verschiedener gesellschaftlicher Kräfte entwickelte sich im Westerzgebirge ein Leistungszentrum des Fußballs. Im Zusammenhang damit entstand auf Initiative des SED Gebietsleistung Wismut sowie des sowjetischen Generaldirektors der SDAG Wismut, General Malzew, wurde 1950 in nur viermonatiger Bauzeit von Kumpels des Wismut-Bergbaus, und mehr als 400 Soldaten der Roten Armee anstelle des städtischen Stadions für drei Millionen ein Stadion mit Wettkampfstätten für Leichtathleten, Schwimmer und Ballsportler errichtet.
Im März 1950 erfolgte der erste Spatenstich. Rund um die Uhr wurde gearbeitet, es beteiligten sich einige freiwillige Helfer im NAW (Nationales Aufbauwerk). Die Materialien stellte die sowjetische Betriebsspitze zur Verfügung. Vom Lößnitzer Eingang her erhielt der Platz mittels einer Achtel-Drehung nach links eine neue Lage. Aufwendiger war jedoch, die Lößnitz zu verlegen. Das Flussbett verlief entlang der Lößnitzer Straße (der heutigen Bundesstraße 169) unter der jetzigen Gegengeraden in Richtung der Anzeigetafel. Dieser Bach musste umgeleitet werden und verläuft heute hinter der Tribüne. Die Einweihung nahm am 20. August 1950 der damalige Ministerpräsident der DDR Otto Grotewohl vor. Seinen Namen trug das Stadion bis 1991. Offiziell 35.000 Zuschauer erlebten damals eine Sportschau, Leichtathletikwettbewerbe und das Eröffnungsspiel Sportvereinigung Erzbergbau gegen den Oberligadritten und FDGB-Pokalsieger des Vorjahres Waggonbau Dessau. Ein gerechtes 3:3 war das Ergebnis. Viele Quellen berichteten damals von bis zu 50.000 Zuschauern (inoffiziell) bei der Stadioneröffnung, rings um das Stadion wurden die Hänge rege genutzt, ein Markenzeichen zur damaligen Zeit. In der folgenden Festwoche verlor Aue in einem zweiten Einweihungsspiel knapp mit 3:4 gegen eine DDR-Auswahl.
Das neue Stadion bot 22.000 Plätze, alles Sitzplätze! Ein Novum in dieser Zeit. Stehplätze gab es eigentlich nur "außerhalb" des Stadions (zum Nulltarif). Nach sowjetischem Vorbild wies das Stadion einen hölzernen Triumphturm am Eingang aus Richtung Lößnitz auf. Dieser Turm, mit Uhr und manueller Spielstandsanzeige, prägte bis Anfang 1964 das Stadionbild. Dann musste er im Mai des selben Jahres der Friedensfahrtsankunft weichen, weil die Einfahrt für die Radfahrer zu eng gewesen wäre. 1968 war das Auer Stadion zum zweitenmal Teil der Friedensfahrt. Nach Abriss des alten Holzkolosses baute man in Höhe der Mittellinie auf der unüberdachten Gegengeraden einen für die damalige Zeit modernen Anzeigeturm. Lehrlinge des benachbarten Messgerätewerkes Zwönitz bauten dafür eine elektrische Stechanzeige. Die vorprogrammierbaren Elemente wiesen fortan immer den aktuellen Spielstand aus. Eine spezielle Uhr, mit nur einem Zeiger, drehte sich im ¾-Stunden Takt und zeigte allen Besuchern des Stadions jeweils die Bruttospielzeit einer Halbzeit an. Auch ein zusätzlicher Ausgang Richtung Bahnübergang wurde gebaut. Dies war der einzigste Ausgang oberhalb der Traversenkrone. Ansonsten konnte man die Stadionränge nur von unten (unterste Reihe) betreten und auch nur dort verlassen. Das Stadionoval hatte in den beiden Kurven jeweils ein Marathontor, also wenn man so will nur zwei Oval-Hälften!
Das Stadion schrieb Geschichte. Diese ist eng verbunden mit den Aufstieg der Namenlosen, wie die "Fuwo", das Fachorgan des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR, einmal jene Fußballer nannte, die im April 1950 aus Aue und einigen Erzgebirgsorten zu einem Trainingslager in Rabenstein (bei Chemnitz) zusammengezogen wurden. Am 12. Mai 1950 schlug die Geburtsstunde der BSG Wismut Aue, die erste Sportvereinigung der DDR wurde gegründet. Es begann eine Zeit des sportlichen Aufschwungs im Westerzgebirge, Walter Fritzsch formte eine Mannschaft die 1951 den Aufstieg in die höchste Spielklasse der DDR schaffte. Die Wismut Fußballer gehörten vortan ununterbrochen bis 1990 der DDR-Oberliga an und bestritt von allen Mannschaften die meisten Spiele, 1019 in Folge !!!
Sie erkämpften 1956, 1957 und 1959 den Titel eines DDR-Meisters und 1955 des Landespokals. "Wismut-Wismut" schallte es tausendfach von den Rängen des Stadions im Auer Lößnitztal, wie Reporter des Rundfunks und später des Fernsehens den Standort gern bezeichneten. Über die Mikrofone drang der Ruf hinaus ins Land und ließ den Namen Aue weithin bekannt werden. Die Zuschauer saßen bis an den Spielfeldrand oder sahen von außerhalb zu, als renommierte ausländische Mannschaften zur Freundschaftsspielen (Wacker Wien, AC Madueiras und Sao Paulo aus Brasilien oder auch Mainz 05, Spvgg Fürth) und zwischen 1957 und 1960 zu Europapokalspielen im Cup der Landesmeister (Gwardia Warschau, Ajax Amsterdam, Petrolul Ploesti, IFK Göteborg, Young Boys Bern, Rapid Wien) im Stadion weilten.
Das Stadion zog aber in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht nur durch den Fußball die Aufmerksamkeit auf sich. 1955 und 1957 fanden hier Leichtathletikländerkämpfe gegen Bulgarien und Rumänien statt. Hier nahm der Hochspringer Günter Lein, als erster deutscher Athlet, die Zwei Meter Marke (1953 mit 2,04 m). Der tschechisch-slowakische Kugelstoßer Jiri Skobla stieß im gleichen Jahr hier 17,64 m einen neuen Europarekord! Zu den Fußballerischen Höhepunkten gehörte natürlich auch das Länderspiel DDR-Algerien und das Olympiaqualifikationsspiel DDR-Portugal.
Die Erfolge der Wismut-Fußballer in den 50er Jahren einerseits und der der SDAG-Wismut-Arbeiter andererseits, machten weitere Investitionen im Auer Stadion möglich. 1955 wurde das Sportlerheim fertiggestellt. Dieses Schmuckstück, in dem es auch Wohnungen für Spieler, Trainer und Gäste gab, steht bekanntlich heute noch und beinhaltet die Vereingeschäftsstelle und von Anfang an eine Art Clubgaststätte. 1956 war die Tribüne dran und wurde fast über die gesamte Platzlänge überdacht. Sie bot knapp 3.000 Zuschauern Wetterschutz (zumindest 10 bis 15 Reihen). Die bei Eröffnung recht bescheiden aussehende Tribüne wurde danach unwesentlich erweitert. 1958 im Herbst gab es weitere Verbesserungsarbeiten im Stadion. In dieser Zeit muss auch die Maßnahme gefallen sein, die Sitzplätze in den beiden Kurven in Stehplätze umzuwandeln! Das Fassungsvermögen stieg auf 25.000. Man trug einfach den erhöhten Zuschaueraufkommen dieser Zeit Rechnung und wollte dadurch mehr Fans ins Stadion lassen. Die schnelle Bauzeit des Stadions brachte es mit sich, dass große Teile auf Holzaufbauten stand. Diese wurden abgebrochen bzw. durch Mauerwerk und Betonteile ersetzt. Die Arbeiten wurden von Baubrigaden des Bergbaubetriebes und einer Werterhaltungsbrigade des Stadion ausgeführt.
In den Siebziger Jahren (1974) entstand dann noch die große Sporthalle hinter der "Lößnitzer-Kurve" mit einem Sozialtrakt. Nun konnte auch bei schlechtem Wetter optimal trainiert werden. Bei Sonnenperioden erweißt es sich heute noch äußerst günstig, dass unmittelbar am Stadion der Lößnitzbach vorbeifließt und (günstiges) Wasser zum Besprühen der Rasenfläche spendet. 1980 entstand ein Rasenplatz und ein zusätzlicher Trainingsplatz. Überhaupt muss man erwähnen, dass durch die großzügige Unterstützung des Trägerbetriebes, der SDAG Wismut, das Auer Stadion ständige Finanzspritzen erhielt. Ständige Nutzung und Witterungseinflüsse haben besonders an der Bausubstanz des Stadions und den dazugehörigen sozialen und sanitären Einrichtungen Langzeitschäden entstehen lassen, die mit Reparaturen nicht mehr beseitigt werden konnten. Teilweise Sperrungen von Traversen, wie z.B. Teile der alten Auer Fankurve in den 80ziger Jahren, und eine zeitliche Begrenzung durch die damalige Bauaufsichtsbehörde begründeten eine umfassende Rekonstruktion.
Schon 1984, zwei Jahre vor dem eigentlichen Baubeginn, wurde ein Langzeitprogramm zur Rekonstruktion beschlossen. Dies war die größte Investition auf dem Gebiet des Sports in der Wismut. Dafür wurden vom Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, dem Rat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt und der SDAG Wismut 24 Mio. DDR-Mark bereitgestellt. Der Projektierungsbetrieb der Wismut erstellte in Konsulaten mit dem Wissenschaftlichen Technischen Zentrum (WTZ) Sportstätten Leipzig, das Projekt. Die Bauausführung war dem Bau- und Montagebetrieb (BMB) 17 übertragen worden. Die Herstellung und Montage der Flutlichtmasten sowie der Stahlträger zur Aufhängung des Tribünendaches lag in Verantwortung des Betriebes für Bergbauausrüstungen Cainsdorf (BAC). Sportlich-Politische Erwägungen (eine BSG wie Wismut Aue sollte nicht das modernste Stadion der DDR erhalten) und ökonomische Gründe zwangen zu einer Aufgliederung der aufwendigen Rekonstruktion in drei Bauabschnitten bei laufenden Oberligaspielbetrieb.
Von Sommer 1986 bis August 1992 wurde das Otto-Grotewohl-Stadion dennoch so rekonstruiert, dass es heute internationalen Ansprüchen gerecht wird und ob seiner fantastischen Tallage zu recht das schönste Stadion, zumindest in den neuen Bundesländern, geworden ist. Es entstanden neue Zuschauertraversen, eine Regiezentrale mit VIP-Raum und Reporterkabinen nach "Weststandart", moderne Umkleidekabinen und Sozialräume, eine Tartanlaufbahn, die Gegengeraden wurden komplett abgerissen und neue aufgebaut, die Tribüneüberdachung in den Kurven wurde erweitert und der Eingangsbereich wurde total neu gestaltet. Die im Herbst 1988 montierten Flutlichtmasten (höchster Mast 53,50 m über der Rasenfläche) hatten anfangs eine Leistung von nur ca. 400 Lux und wurden anlässlich des Tausendsten Oberligapunktsiels am 13. Oktober 1989 gegen den 1. FC Magdeburg (0:0) eingeweiht, 26.000 Zuschauer pilgerten an diesem Freitagabend ins Stadion und machten das Jubiläum zu einem großen Volksfest. Die neue große Anzeigetafel ging zum IFC-Spiel gegen Örgryte Göteborg (0:1) am 1. Juli 1989 in Betrieb.
41 Jahren was des Stadion Eigentum der SDAG Wismut. Durch die Treuhand wurden die Besitzverhältnisse Ende Oktober 1991 endgültig geklärt. Neuer Besitzer wurde der Landkreis Aue. Ende der 90ziger Jahre ging dies in ein Erbpachtrecht für den FC Erzgebirge Aue über. Auch der alte Stadionname wurde abgelegt und durch den damaligen Landrat Heinz-Günther Krauß feierlich in "Erzgebirgsstadion" umbenannt. Zu diesem Anlass bezwang man in einem Freidschaftsspiel am 26.11.1991 den Bundesligisten 1. FC Nürnberg mit 3:0 (die Tore erzielten damals Stohn, Reichel und Kirsten gegen eine Art B-Mannschaft des Clubs).
Abgeschlossen wurde der Umbau am 19.9.1992. An diesem Tage fand anlässlich eines Schülerländervergleichskampfes mit etwa 300 Teilnehmern aus Hessen, Württemberg, Thüringen und Sachsen die feierliche Übergabe der ca. 700.000 DM teuren Leichtathletikanlage statt, welche im August 1992 eingebaut wurde.
Nach dem Umbau sank das Fassungsvermögen auf 20.000 Zuschauer, welche sich in je 10.000 Steh- und Sitzplätze aufteilte. In der Zeit nach der Wende zog Tristesse ins Lößnitztal ein. Die Zuschauerzahlen gingen nur noch in den vierstelligen, teilweise sogar nur noch in den dreistelligen Bereich. 1990 kam der Oberligaabstieg (nur durch das schlechtere Torverhältnis) schon unter dem neuen Namen FC Wismut Aue. Ein Jahr später verpasste man wieder nur durch das Torverhältnis die Relegationsspiele für den Aufstieg zur 2. Bundesliga. Seit 1992 heißt der Verein FC Erzgebirge Aue. 1994 qualifiziert sich der FCE für die damals neue Regionalliga (Staffel Nord-Ost). Dreimal wurde Aue in den Folgejahren mit seinem Stadion Austragungsort für Gruppenspiele des DFB-Ligacups. Als die Bayern im August 1998 zu diesem Ereignis aufkreuzen, platzte das Stadion (seit langem wieder) aus allen Nähten: 19.000 Zuschauer füllten das Rund. Für dieses Spiel wurde auch das Stadion aufgepeppt. So wurde die Flutlichtanlage fernsehgerecht auf ca. 1000 Lux erhöht, kamen extra für diese Spiel gegen Leverkusen neue TV-Übertragungsstellplätze oberhalb der Gegengeraden dazu, weil das Dach der Tribüne dafür nicht mehr geeignet war. Hinter der Tribüne wurde das alte Freibad für einen neuen VIP-Auto-Stellplatz geopfert. Auch ein gesonderter VIP-Raum entstand an gleicher Stelle neu.
Nach Qualifikation des FCE zur neuen (zweigleisigen) 3. Liga im Sommer 2000, wurde aus Sicherheitsbedenken seitens des DFB die Zuschauerzahl auf offiziell nur noch 16.300 gesenkt. Nötig war dieses Fassungsvermögen nur noch bei Gastspielen der Bayern (Freundschaftsspiel) und des HSV (DFB-Pokal) im August 2000, zur denen 16.300 bzw. 13.500 kamen. Andere Veranstaltungen in den 90ziger Jahren, wie zwei Kelly- und ein Grönemeyer-Konzert, sowie ein großes Jubiläumsfest eines Lokalen Rundfunksenders brachten zusätzliche finanzielle Einnahmen.
Abschließend noch das offizielle
Fassungsvermögen des Auer-Stadions seit dem Umbau der Gegengeraden 2010: 15.690
| 9.390 |
Sitzplätze |
| 6.300 |
Stehplätze |
Sollte jemand genauere
Angaben zu Umbauzeiten, geschilderten Ereignissen o.ä. bzgl. des Stadions haben
oder in Besitz von Stadionbildnern aus der Zeit vor dem letzten Umbau sein,
bitte per E-Mail senden oder Kontakt aufnehmen:
burg@block-a.de. Wir sind immer
daran interessiert!
© by Burg.
 |