Spielberichte
33. Spieltag, 16.05.2004

VfB Lübeck:FC Erzgebirge Aue
2 2


Stadion Lohmühle, Sonntag 16. Mai 2004

(Kick off 15.00 Uhr)




AUE HÄLT LÜBECK AM LEBEN
(Burg) Was für eine Dramatik in der Schlussphase der 2. Bundesliga. Nach Abpfiff des guten Schiedsrichter Peter Sippel aus München, legte sich eine gespenstische Ruhe über die „Lohmühle“ in Lübeck. Die 13.500 Zuschauer warteten gespannt auf die Endresultate aus den anderen Stadien um dann trotzdem enttäuscht den Weg nach Hause an zutreten. Das am Ende gerechte 2-2 Unentschieden ist für den VfB nur noch Hoffnung die ja bekanntlich zuletzt stirbt. Dabei verließen schon zur Halbzeitpause die ersten VfB Anhänger das Stadion und machten sich auf den Heimweg. Sie glaubten wohl nicht mehr an eine Wende. 2-0 führten zu diesem Zeitpunkt die Gäste aus dem Lößnitztal. Die Lohmühle stand unter Schock. Ein Pfeiffkonzert und Söldnertruppe begleiteten den VfB in die Kabine der vom Anstoß weg eigentlich zuerst alles richtig machte. Nach gespielten 21 Sekunden musste Jörg Hahnel gegen Stefan Zinnow klären, der sich aus spitzem Winkel gegen Emmerich durchsetzte. Lübeck spielte die ersten 15-20 Minuten Vollgas, in der Hoffnung auf ein schnelles Tor. Die Hausherren schalteten blitzschnell von Abwehr auf Angriff um. Spielten immer wieder lange, aber flache Bälle. Die Auer Abwehr musste hellwach sein. Dino Toppmöller, unter Beobachtung seiner Eltern Klaus und Rosi auf der Tribüne, setzte aber in der 5. Minute ein Achtungszeichen für die Gäste. Schöne Vorarbeit von Matze über Rechts, Curri lässt in der Mitte passieren und Toppmöllers Drehschuss geht knapp am Pfosten vorbei. Lübeck blieb offensiv aber ohne zwingende Chancen. Aue fängt sich langsam und wird selbstsicherer. Schon bei Trehkopf´s Volleyknaller (15.) lag der Führungstreffer in der Luft. Auf der Gegenseite tritt Markus Kullig (17.) an und lässt Noveski stehen, sein Schuss von der Strafraumgrenze geht aber Richtung A1 über den Kasten. Deutlich war zu sehen, das Noveski auf keinen Fall seine 5. Gelbe Karte im Spiel riskieren wollte. Mit ihm waren außerdem noch Emma, Matze und Janker gefährdet (alle mit je 4x Gelb!). Nach ca. 25 Minuten wurde der Druck der Lübecker immer schwächer. Trotzdem hatten sie noch mal eine Riesenchance mit 1-0 in Führung zu gehen, als Adzic mit einen langen Ball aus der eigenen Hälfte von Kullig geschickt wurde. Er schüttelte Noveski ab und tauchte frei vor Hahnel auf. Doch der Auer-Keeper behielt die Nerven (30.) und klärte gedankenschnell mit Fußparade. Das war vielleicht die Schlüsselszene im Spiel. Jetzt spielte nur noch Aue aus einer leichten Konterstellung. Dem 0-1 ging aber ein Abspielfehler des Ex-Auer Holger Hasse voraus. Unter Bedrängnis spielte er den Ball Emmerich in die Beine und der lief alleine auf Wehlmann zu. „Es war zwar Glück wie mir der Ball von Hasse vor die Füße sprang und dann noch genau in den Lauf. Erst überlegte ich mit Rechts zu schieben aber der Ball lag auf Links und so ging ich auf Nummer sicher“, schilderte der Torschütze Jörg Emmerich nach dem Spiel die Szene. Für den Auer Kapitän war es zudem das erste Feldtor in der Saison. Zuvor standen zwei Elfmeter-Tore auf sein Konto. Nun wurde es merklich stiller in der „Lohmühle“. Der frei zum Schuss kommende Jan Schanda traf auch nicht (37.) und die Räume für Aue wurden immer größer. Vier Minuten vor der Pause dann blankes Entsetzen. Jörg Emmerich treibt den Ball über die rechte Seite nach vorn, will auf den am kurzen Pfosten lauernden Juskowiak passen, Groth wehrt zu kurz ab und Dino Toppmöller sagt Danke – 0-2.

„Mit diesen 2-0 Halbzeitstand hatten wir eine Riesenausgangssituation. Aber wie das so ist im Fußball, wenn man nicht das dritte Tor macht, braucht man sich am Ende nicht zu wundern, das es letztendlich nur zu einen Punkt reicht. Wir haben in der zweiten Halbzeit nur noch das Ergebnis verwaltet und Lübeck hat in diesen zweiten Abschnitt stark gespielt. Ich denke das 2-2 ist am Ende ein gerechtes Ergebnis. Wir sind am Ende aber nicht so traurig wie es Lübeck jetzt ist“, so der Auer Trainer nach dem Spiel in der Pressekonferenz. Dieter Hecking auf Lübecker Seite zeigte sich enttäuscht, wie unter der Woche nur über die Höhe des Lübecker Sieges diskutiert wurde. „Beim 0-2 musste man Angst und Bange haben, trotzdem kamen wir wieder mit einem Riesenaufwand zurück ins Spiel“ und fügte anerkennend hinzu, wie korrekt sich die Gäste verhalten haben und ordentlich dagegen gehalten haben. Erst ein Elfmeter von Matthias Heidrich an Timo Achenbach verwirkt, brachte die Wende für Lübeck. Ferrydoon Zandi verwandelte sicher unten Links zum 1-2 (56.). Ehrlich gab Matze zu, Achenbach klar erwischt zu haben. „Ich hatte schon mit der Gelben Karte vom Schiri gerechnet, trotzdem müssen wir das Ding gewinnen wenn man schon 2-0 führt“, so der Mittelfeldspieler nach dem Spiel. Fünf Minuten später wollten die Lübecker noch mal Elfer haben, doch Schiri Sippel ließ bei Zinnow`s Schwalbe gegen Noveski sofort weiterspielen (62.). Trainer Hecking monierte diese Szene im Nachhinein noch mal in der Pressekonferenz und wollte hier einen klaren Elfer für seine Farben gesehen haben. Die Bilder im DSF werden ihm aber später eine andere Geschichte erzählen. Der Ausgleich fiel dann aber doch nach 78 Minuten. Der gute Timo Achenbach zog eine Flanke von Links vors Auer Tor und hinten am langen Pfosten drückte Patrick Würll den Ball zum 2-2 über die Linie. Lübeck blieb aber nervös und Aue wollte nicht mehr so richtig. Tchipev scheiterte am herauseilenden Wehlmann (81.) und in der Schlußphase ließen sich die Gäste immer mehr hinten reindrücken. Jetzt fightete der VfB mit dem Mute der Verzweifelung. Der Schiri ließ zwei Minuten nachspielen. Petersen ließ die VfB Anhänger noch mal hoffen, aber sein Schuss wurde eine Beute von Jörg Hahnel.

Dieses letzte Auswärtsspiel auf fremden Boden wurde um eine Episode noch mal bereichert. In der 58. Minute kam Gregor Berger mit „falschem“ Trikot (Nr. 15) aufs Feld. Dieses gehört dem anderen Berger (Frank). Weil dessen Trikot ja nun nicht mehr verfügbar war, musste Frank Berger bei seiner Einwechslung (82.) das Trikot (Nr. 4) vom Gregor anziehen. Zum Glück traf niemand von beiden ins gegnerische Tor, die Verwirrung wäre komplett gewesen. So wird auch diese Geschichte, wie die Gesamte Saison, in den Annalen des FCE eingehen.


Lübeck: Wehlmann - Achenbach, Hasse, Laaser (ab 77. Petersen), Groth (ab 48. Mbidzo) - Kullig, Zinnow,Zandi, Schanda - Adzic, Würll

Aue: Hahnel - Emmerich, Trehkopf, Noveski, Krasselt - Heidrich, Toppmöller (82. F. Berger), Kurth (72. Tchipev), - Jank (58. G. Berger), Curri, Juskowiak

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Zuschauer: 13.500 (600 Aue-Fans/Quelle VfB Lübeck-Kartencenter!)

Tore: 0:1 Emmerich (33.), 0:2 Toppmöller (41.), 1:2 Zandi (56.), 2:2 Würll (78.)

Karten: Würll - Kurth