Spielberichte
19. Spieltag, 29.11.2002

Bayer Leverkusen Am.:FC Erzgebirge Aue
4 1


Kl. Ulrich-Haberland-Stadion , Freitag 29. November 2002

(Kick off 19.00 Uhr)



(Burg) Nie klafften Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander, wie an diesen Freitag-Abend, bei Nieselregen in Leverkusen. Alles wollten sie besser machen, als eine Woche zuvor beim verkorksten Heimspiel gegen die Kölner Amteure (1:1). Aber vom Anpfiff weg hatte man nie das Gefühl, dass die Veilchen unter Flutlicht wirklich was reißen wollten. Die Bayer-Bubis, bisher recht selbstbewusst, hatten unter der Personalnot der Profis zu kämpfen und mussten beispielsweise die eingespielten Leistungsträger Thomas Kleine und Christian Preuß verzichten. Das dafür teilweise U19 Spieler ihre Chance erhielten, bezeichnete Trainer Thomas Hörster nicht gerade als sportlichen Nachteil. Die Bayer-Elf legte mit viel Tempo los wie die Feuerwehr. Eine Eingabe von Meyer kann Jörg Hahnel grade noch so vor dem einschussbereiten Öztürk klären (2.) und in der 4. Minute blieb Nic Noveski in allerhöchster Not Sieger gegen Schoof. Nach diesen beiden Schrecksekunden startete Aue seinen allerersten Angriff Richtung Tor. Emmerich schickte Tetzner mit einem Steilpass und der holte einen Einwurf heraus. Görke brachte diesen, wie gewohnt, bis in den Strafraum, nach Verlängerung von Broum lief Grund mit dem Ball ins leere Tor (7.). Aue blieb aber in der ersten Halbzeit weiterhin zu passiv und lauerte nur auf Fehler der Gastgeber. Bayer hatte mehr vom Spiel, war öfter in Ballbesitz und beschäftigte immer wieder die Auer-Hintermannschaft. Doch nur nach einer Ecke in der 14. Minute drohte wirklich Gefahr, als Görke den Ball von der Linie köpfen musste. Jerat schoss noch mal mit einem Freistoß knapp vorbei (34.) und einen Kruse-Schuss hielt Jörg Hahnel sicher (40.). Aue tauchte dagegen höchst selten vor des Gegners Tor auf, Görke prüfte Starke mit einem 35-Meter Freistoß und das war es aber auch schon vom selbst ernannten Aufstiegskandidaten.

Um nicht die selben Fehler zu machen wie in Chemnitz oder Wattenscheid, als man versuchte die Führung über die Zeit zu schaukeln, übernahm Aue nun das Zepter und drängte auf das Vorentscheidende 2-0. Es war klar, das bei diesem Wetter und der trostlosen Kulisse kein Schönheitspreis zu vergeben war. Die Gäste spielten zweckmäßig. Emmerich schaltete sich immer wieder gekonnt in die Angriffe ein: in der 56. Minute leitete er die beste Phase im Spiel der Erzgebirger, mit einem kapitalen Weitschuss aus gut und gerne 40 Metern, ein. Doch Starke war auf der Hut. Keine Minute später hatte der agile Alexander Tetzner eine Doppelchance, als er erst Starke das Leder an die Hand schoss und den zurückspringenden Ball dem Torwart nochmals an die Beine schob. Bayer hatte in dieser Szene ein bisschen Glück. Doch die Chancen für Aue wurden noch besser. Emmerich schickte mit einem Superpass Ronny Jank alleine aufs Tor der Leverkusener, aber Jank verzog überhastet (61.). Aue hatte endgültig das Spiel an sich gerissen, besaß deutlich mehr Spielanteile. Aber da war noch die 63. Spielminute: Broum war auf der linken Seite durch, flankte nach innen und Thorsten Gurke nahm den Ball volley. Starke hält auch diesen Ball mit einem Super-Reflex und leitete einen Gegenangriff ein, der noch weitreichende Folgen haben sollte. Nicht nur das der starke Michael Habljak einen langen Ball auf Schoof spielte, dieser noch mal Doppelpass spielte und somit Ball wieder erhielt, um dann seelenruhig zu verwandeln, jetzt spielte nur noch Bayer. Von Aue war nun nichts mehr zu sehen. Innerhalb von nur vier Minuten erhöhten Thönes (76.), Dogan (77.) und El Kami (80.) auf 4-1 und das völlig zu Reck. Die Veilchen wurden nach allen Regeln der Kunst von den nun läuferisch und technisch überlegenen Gastgebern ausgekontert. Jedes Mal kam der Schütze frei zum Schuss, eine Auer Abwehr war praktisch nicht mehr vorhanden. Es blieb nun auch völlig nebensächlich, ob das vierte Tor nun Abseits war oder nicht.

Aue wollte in der Schlussphase wenigstens noch das zweite Tor machen, doch ein Schuss von Emmerich wehrte Starke zur Ecke ab (86.) und Jank setzte einen Kopfball aus kürzester Entfernung neben das Tor (87.). Der Schiri pfiff eine Minute zu früh ab, doch auch das interessierte an diesen Abend keinen mehr. Auf der Pressetribune kam es zu einen tragischen Zwischenfall, als ein Journalist (Kölner Stadtanzeiger) ca. 15 Minuten vor dem Ende einen Herzanfall erlitt und in ein Koma fiel. Die Pressekonferenz wurde daraufhin abgesagt. Erst hieß es, der über 60jährige wäre verstorben (0-Ton Bayer Trainer Thomas Hörster), doch der WDR gab in seiner Samstag-Sendung "Sport im Westen" Entwarnung. Trotzdem ist der Kollege, der während des Spiels neben dem Schreiber dieser Zeilen saß, noch nicht über den Berg...

Trainer Gerd Schädlich wer nach dem Spiel konsterniert. Für ihn war es unverständlich warum die linke Seite so offen war. Das Spiel hätte ihm deutlich gezeigt, das der FCE wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist. Er erinnerte an das ursprüngliche Saisonziel vom Juli, das da hieß einstelliger Tabellenplatz - alles andere wäre Träumerei, weit weg von der Realität. Die selbe Meinung hatte auch Jörg Emmerich: "So wie wir uns in den letzten 20 Minuten präsentiert haben, haben wir da oben nichts zu suchen" - Recht hat er, denn dies konnte man in den letzten Auswärtsspielen deutlich sehen - Wattenscheid, Kiel und die 2. Halbzeit in Chemnitz sind nur einige Beispiele. Die anstehende, wenn auch viel zu lange Winterpause, kommt jetzt irgendwie gerade recht.


Leverkusen: Starke - Coupek, Bozic, Dittrich - El Kasmi, Meyer, Habljak (84. Schaffrath), Jerat (71. Thönes), Kruse - Ötztürk (46. Dogan), Schoof

Aue: Hahnel - Emmerich - Noveski, Jendrossek (83. Jasarevic) - Grund (83. Preuß), Görke, Heidrich, F.Berger (74. Kurth) - Jank, Broum, Tetzner

Schiedsrichter: Norbert Grudzlnsky

Zuschauer: keine offizielle Angabe, ca. 350 (darunter etwa 60 Auer)

Tore: 0:1 Grund (7.), 1:1 Schoof (64.), 2:1 Thönes (76.), 3:1 Dogan (77.), 4:1 El Kasmi (80.)


[ Hinspiel: Aue vs. Leverkusen Am. 2:0 ]