Spielberichte
13. Spieltag, 20.11.2005

TSV 1860 München:FC Erzgebirge Aue
1 1


Allianz-Arena, Sonntag, 20. November 2005

(Kick off 15:00 Uhr)




VERDIENTER PUNKT IN DER HÖHLE DES LÖWEN

Mit einem jederzeit verdienten Punktgewinn in München beim neuen Tabellenführer der 2. Bundesliga, kehrten die Spieler von Gerd Schädlich vom Abenteuer Allianz-Arena in die Heimat zurück. "Ich kann meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen. Wir waren bis zum 1-1 die bessere Mannschaft. Nachdem wir verpassten das vor entscheidende 2. Tor für uns zu machen, war mir fast klar das sich das noch rächen sollte", so ein zufriedener Gerd Schädlich nach dem Spiel in der Pressekonferenz. Auch Geburtstagkind Uwe Leonhardt (wurde am Sonntag 47) war rundum zufrieden: "Es war ein gerechtes Ergebnis. Auf diese Leistung können wir aufbauen". Leonhardt bedankte sich abschließend noch ausdrücklich für die vorbildliche bayerische Gastfreundschaft der Löwen.

Zufrieden waren auch die zu Tausenden angereisten Auer Schlachtenbummler. Es kam einer lila-weissen Invasion gleich, die sich so ab Mittag aus den unzähligen Fanbussen, PKWs und der U-Bahn ergoss. Angekommen im Stadion sahen sie eine Auer Mannschaft die ab der Ersten Minute an ohne jeglichen Respekt und Nervosität vor dieser Kulisse ihr Herz in beide Hände oder Beine legte. Schon nach 60 Sekunden Eckball für die Gäste bei Anstoß für 1860. Tolles Laufduell zwischen Reisinger und Emmerich, dem aber Trehkopf zur Hilfe eilen musste. Und die Auer Fans waren sofort lautstark da - eine unglaubliche Atmosphäre bei sehr guter Akustik im Stadion. Wer nicht dabei war, hat was verpasst. Die Löwen waren nervös und fanden kaum eine Lücke in der Besten Abwehr der Liga. Milchraum (15.) versuchte es mal per Distanz Schuss, aber ohne Probleme für Bobel. Die beste Kombination der Hausherren im 1. Abschnitt vereitelte Kos, der einen Baier-Rückpass von der Grundlinie vor dem einschussbereiten Shao klärte (19.). Davor deutet Aue auch schon sein spielerische Potenzial an. Langer Ball von Emmerich auf Klinka (11.), doch sein Querpass vereitelte Costa zur Ecke. Demir hatte bei dieser Szene in der Mitte gewartet.Die erste Halbe Stunde war die Partie ausgeglichen. Beide Mannschaften agierten vorsichtig. Doch danach spielten die Gäste sich immer mehr frei und kamen zu sehr guten Chancen. Der sehr gut aufgelegte Sven Günther prüfte gleich zweimal (29. und 35.) Ochs im Tor der Sechziger. Auch Juskowiak (31.) scheiterte freistehend an Ochs. Vor ausgegangen war eine schöne Vorarbeit von Klinka der Hoffman gleich zweimal vernaschte. Die Führung der Gäste lag in dieser Phase förmlich in der Luft. Sie fiel dann fast logisch, auch wenn mit tatkräftiger Mithilfe der Löwen. Ein Abstoß vom Torwart Ochs kam wie ein Bumerang wieder zurück und Ersin Demir nutze eiskalt eine Schaltpause in der Sechsziger Verteidigung aus. Er umspielte noch Ochs und schob den Ball zur Gästeführung ins Tor (36.). Danach wurden die Auer noch sicherer. Dostalek (43.) hatte das 2-0 für seine Farben auf den Fuß, scheiterte aber wieder am guten Ochs. Eine Augenweide war das Anspiel von Juskowiak. Mit dem 0-1 waren die Münchener bestens bedient.

Die zweite Halbzeit begann, als hätte es diese nicht gegeben. Nahtlos spielten die Veilchen weiter wo sie aufgehört hatten. Schon in der 46. Minute nutzte Klinka eine Denkpause von Milchraum gnadenlos aus. Er nahm ihm den Ball vom Fuß und marschierte halbrechts alleine auf Ochs. Nur um Zentimeter ging der Ball am langen Pfosten vorbei. Demir kam einen Schritt zu spät. Und Demir eine Minute später von der anderen Seite, doch Ochs hielt seine Mannschaft im Spiel. Erst ab der 60. Minute hatten die Löwen ihr Blei verdaut, das sie vor der Partie zu sich genommen hatten (O-Ton Trainer Maurer). Bedingt vielleicht auch von der Verletzungsbedingten Auswechslung von Tomasz Kos, der sich bei einem Kopfball Duell (57.) mit Shao im eigenen Strafraum eine Gehirnerschütterung zuzog und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nachdem Maurer seine Abwehr korrigierte und Kolomaznik für den schwachen Reisinger brachte, wurde der Druck der Gastgeber immer größer. Plötzlich hatten sie auch Chancen. Der Schweizer Meyer (64.) per Fallrückzieher und Hoffman (66.) mit einem Schussversuch aus 18 Metern waren die ersten die für ernsthafte Gefahr vor Bobel sorgten. Der Chinese Shao (68.) sorgte dann auch für den 1-1 Ausgleich. Schneller Gegenstoß über Milchraum und Kolomaznik, Bobel hält noch glänzend gegen Milchraum aber Shao hatte leichtes Spiel den abgewehrten Ball ins Tor zu schießen. Danach hatte Gerd Schädlich Angst das Spiel noch zu verlieren: "weil wir kaum noch für Entlastung sorgen konnten". Doch am Ende überwog die Freude beim Trainer: "weil wir über weite Strecken ballsicher agierten und den Sieg in Dresden bestätigten". In der Schlußphase blieb Sechszig weiter am Drücker und warf in der Vierminütigen Nachspielzeit alles nach vorn. Sie wollten unbedingt den Sieg. Diese Nachspielzeit war nichts für schwache Nerven. Erst schaffte es Milchraum (92.) nicht ganz Bobel zu umspielen und seine Flanke in den Strafraum blieb ohne Folgen. Dann sorgte der eingewechselte Sebastian Helbig in der 94. Minute für helle Aufregung im Auer Fanlager. Erst scheiterte er beim Schussversuch an Costa, dem er den Ball abgenommen hatte, dann ließ der Portugiese im Strafraum das Bein stehen gegen Helbig. Schiedsrichter Thorsten Schriever verlegte den Tatort auf der Strafraumgrenze. Mikolajczak jagte den Freistoß übers Tor. Diese brenzlige Szene kommentierten beide Trainer recht unterschiedlich. Schädlich verstand nicht, warum der so korrekte Schiedsrichter 4 Minuten nachspielen ließ. "Dann hätte er aber auch in der 94. Minute korrekt handeln müssen und uns den Elfmeter geben müssen, den die Strafraumlinie gehört nun mal zum Strafraum". Mauer verstand die Aufregung nicht und hätte Helbig für diese Schwalbe die gelbe Karte gezeigt. (burg)


München: Ochs - Lamotte (54. Schäfer), Szukala (80. Agostino), Costa, Hoffmann - Lehmann, Baier, Milchraum, Meyer - Shao, Reisinger (53. Kolomaznik)

Aue: Bobel - Emmerich, Kos (61. Loose), Trehkopf - Heller (71. Kurth), Dostalek, Günther, Mikolajczak - Klinka, Juskowiak, Demir (77. Helbig)

Schiedsrichter: Thorsten Schriever (Otterndorf)

Zuschauer: 51.700 (ca. 11.000 Auer lt. Ticketservice 1860 München)

Tore: 0:1 Demir (36.), 1:1 Shao (68.)

Karten: Costa, Lehmann - Dostalek, Mikolajczak, Juskowiak, Demir, Kurth, Helbig